Nathaniel Rateliff im Interview und Ende Mai auf Tour


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Als Nathaniel Rateliff im Herbst vorigen Jahres im Vorprogramm von Mumford & Sons auftrat, sprachen viele von einer Entdeckung. Der bärtige Mann aus Denver sang inbrünstig wie Bon Iver und zart eigenbrötlerisch wie Will Oldham und schöpfte seine Lieder offenbar aus einer tiefen Quelle. Sein erstes reguläres Album, „In Memory Of Loss“, ist ein Songwriter-Album mit brüchigen Liedern, die Iron-&-Wine-Produzent Brian Deck mit gewohnter Lo-Fi-Ästhetik in Szene setzt. Rateliff, der im ländlichen Missouri als Sohn eines Zimmermanns und einer Bäckerin aufwuchs, wirkt in diesen Liedern schüchtern und beladen, aber durchaus auch wehrhaft – das Leben ist bittersüß, der Verlust eine Grunderfahrung, doch Heilung ist möglich. Ein Eindruck, den die Antworten auf die folgenden Fragen bestätigen.    

Allein oder zusammen?
Ich liebe es, mit Menschen zusammen zu sein, aber auch Einsamkeit ist eine gute Sache. Ich gehe ins Extrem, lebe manchmal sehr isoliert, um dann wieder ständig unter Leuten zu sein. In Gesellschaft muss ich mich mit meinen Unsicherheiten auseinandersetzen, das hilft mir.

Gefunden oder verloren?
Verloren. Ich bin mit meinem Leben noch an keinem Ort angekommen, an dem ich wirklich zufrieden wäre. Es gibt noch so viel zu erkunden.

G-Dur oder E-Moll?
E-Moll, bitte – der Akkord ist in sehr vielen meiner Songs. Meine Mutter hat ihn mir beigebracht. Sie war eine tolle Sängerin, wir haben zu Hause viel Musik gemacht. Mein Vater spielte alle möglichen Blasinstrumente, aber das Schönste war, wenn er zweistimmig mit meiner Mutter sang. Auch in der Kirche, wo ich schon mit sieben Jahren am Schlagzeug saß.

Frühling oder Herbst?
Frühling. In Missouri gibt es im Frühling oft Überflutungen – das hat etwas Bedrohliches, aber auch etwas Gutes. Alles kommt an die Oberfläche, nichts bleibt im Verborgenen. Außerdem kann man im Frühling schon schwimmen gehen, aber noch Shirts mit langen Ärmeln anziehen.

Berg oder Tal?
Das Tal. Wenn man oben auf dem Berg steht, kann man zwar alles sehen, wird aber auch von allen anderen gesehen.

Bob Dylan oder Leonard Cohen?
Dylan. Ich liebe gerade seine frühen Alben, durch sie habe ich das storytelling in Songs lieben gelernt.

Lennon oder McCartney?
Lennon. McCartney hat ein wunderbares Ohr für Melodien, aber Lennon geht mir ans Herz.

L.A. oder NYC?
New York. L.A. hat das bessere Wetter, aber die Stadt hat etwas Elendes an sich. New York ist wie ein Organismus, als hätte die Stadt ein Eigenleben.

Laut oder leise?
Ich mag es, wenn es still ist. Die Stille erlaubt eine Balance aus Raum und Spannung, das macht alles interessant.

Nathaniel Rateliff ist in Kürze mit Geva Alon auf Tour – präsentiert vom ROLLING STONE

28. Mai: Frankfurt, Sinnkasten
29. Mai: Berlin, Lido
30. Mai: Köln, Studio 672
31. Mai: München, Hansa 39

„Shroud“ (live im Notting Hill Arts Club)

„Come Race Me“ von Geva Alon