Highlight: Barack Obama im Interview mit dem ROLLING STONE

Natürlich Obama: Eine politische Positionierung

Pat Blashill ist ein in Wien lebender US-Autor. Er schreibt und fotografiert für die New York Times, Süddeutsche, Vanity Fair und ROLLING STONE.

Meine Frau und ich sind vor einigen Jahren aus den USA nach Wien gezogen, etwa zu der Zeit, als Reporter anfingen, mit Schuhen nach unserem Präsidenten zu werfen. Heute ist das anders. Heute lassen sie sich seine Geburtsurkunde zeigen. Meine Frau, Österreicherin, hat es längst aufgegeben, die amerikanische Politik verstehen zu wollen, aber ihre Verwandten – ein verschrobener Haufen von Ärzten, Anwälten und Soziologen – bitten mich noch gelegentlich, mich zu diversen Aspekten des Lebens in Amerika zu äußern. Ich konnte ihnen Bowling erklären („ein Sport ohne Prestige“) und die Vorliebe der Amerikaner für mexikanisches Essen („Mexiko war mal Teil der USA, und bald wird es uns wieder gehören“). Aber zwei Facetten des Yankee-Lebens sind selbst mir zu hoch: Root Beer und die US-Wahlen. Momentan liefert sich ein einst beliebter Präsident ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem Gegner, der Wirtschaftskonzerne für Menschen hält und sich von Fakten nicht aus dem Konzept bringen lässt – und ich kann das Geschehen kaum noch deuten, sondern nur noch darin lesen wie in Tarotkarten. Genau wie mein Leben in Europa ist auch meine Rolle als Chef-Erklärer Amerikas immer komplizierter geworden.

Wie kann es sein, dass Angehörige der Arbeiterklasse mitten in einer schlimmen Wirtschaftskrise, in der US-Bosse 231mal mehr als ihre Angestellten verdienen, tatsächlich Mitt Romney wählen? Würde er Präsident, wäre er 50mal reicher als Barack Obama und der viertreichste Präsident in der Geschichte der USA. Ich war nie Marxist, aber ich hatte mal was mit der einen oder anderen Marxistin, und ich weiß, dass Amerikaner anders als Engländer nicht wahrhaben wollen, dass manche Tiere gleicher sind als andere. Der Klassenkampf ist für die meisten Amerikaner nur unbequeme Theorie. Wenn meine Schwiegereltern mich also danach fragen, zitiere ich John Steinbeck, der gesagt hat, die USA seien ein Land von „Millionären, die kurzfristig in Verlegenheit sind“. Sie wählen Mitt Romney aus dem gleichen Grund, aus dem sie auch Jay-Z-CDs kaufen: weil sie ziemlich sicher sind, dass auch sie eines Tage reich, berühmt oder beides aufwachen.



The Name Of This Band Is Talking Heads: Alle Alben der Talking Heads bewertet

Eine amateurhafte Aufnahm des frühen „I Feel It In My Heart“ (1976) zeigt die allerliebste Tina Weymouth mit gescheitelter Kurzfrisur an ihrer großen Bassgitarre, die sie ja bediente wie kein anderer Mensch - sie gab stets das Muster für das Bassgitarrespielen überhaupt. Der nervöse David Byrne singt dieses zarte, verzweifelte Lied über jemanden, der gern Freude an seiner Arbeit hätte und der Familie ein Sonnenschein wäre. Er müßte es halt nur noch entschiedener versuchen, glaubt er. https://www.youtube.com/watch?v=ewY34GqbRkA Damit war der Ton vorgegeben, der die Studien in Soziopathie auf „77“ (★★★★★) bestimmt. Zum trockenen Groove besingt Byrne die Nöte und Wonnen…
Weiterlesen
Zur Startseite