Ned Brower: Nach seiner Rolle in „The Pitt“ neuer Anlauf als Popstar
Neben seiner Hauptrolle in „The Pitt“ startet Ned Brower jetzt auch eine neue Band
Als Ned Brower sich mit „The Pitt“-Produzent und Co-Star Noah Wyle zusammensetzte, um einen wichtigen Moment in Staffel zwei zu besprechen, hatte die Welt den Namen Alex Pretti noch nie gehört. Brower wusste zu diesem Zeitpunkt nur, dass seine Figur, Krankenpfleger Jesse Van Horn, in einer Episode von ICE verhaftet werden sollte – in jener Folge, in der Beamte versuchen, einen Patienten in der fiktiven Notaufnahme festzunehmen.
„Ich glaube, eine der großen Stärken der Serie ist es, wenn wir solche heißen Eisen in einem Rahmen anfassen können, der das Publikum nicht immer mit dem Holzhammer traktiert, sondern die Gesellschaft aus einer Krankenhausperspektive widerspiegelt“, sagt Brower über den Schlüsselmoment in Episode 11 des HBO-Max-Hits.
„Ein paarmal im Jahr holen wir Ärzte und Krankenpfleger rein, die uns erzählen, was gerade passiert, was ihnen Angst macht“, sagt Show-Erfinder R. Scott Gemmill. „ICE wurde zu einer dieser Geschichten. Wir haben den Ruf, eine Art Vorahnung zu haben, was kommen wird – aber das liegt einfach daran, dass wir viel Zeit mit den Experten verbringen, schauen, was passiert, und dann auf Basis aktueller Situationen extrapolieren.“
Beunruhigende Koinzidenz mit Minneapolis
Die Szene wurde tatsächlich im November 2025 gedreht, Monate bevor ICU-Krankenpfleger Pretti in Minnesota von ICE-Agenten erschossen wurde, als er versuchte, einem Mitdemonstranten zu helfen – eine beunruhigende Koinzidenz, die Brower nicht entging. Er hatte früher mit seiner alten Band Rooney in Minneapolis gespielt. „Es ist einfach herzzerreißend zu sehen, wie eine großartige amerikanische Stadt wie Minneapolis unter Belagerung steht“, sagt er. „Ich weiß auch, was für Menschen als ICU-Krankenpfleger arbeiten – das ist wirklich das Beste vom Besten.“
Brower weiß das aus eigener Erfahrung. Der Weg des Schauspielers und Musikers zu einer der beliebtesten Serien im TV – und zu einer der wohl explosivsten Episoden überhaupt – war alles andere als geradlinig. Von Indie-Rock über Notaufnahme-Pfleger zum Schauspieler und zurück zum Popmusiker: Browers Leben ist ein bunter Ouroboros, ein feiner Tanz zwischen Kreativität und Pragmatismus.
Medizin war schon immer Teil seines Lebens – sein Vater war Augenarzt –, doch ihn zog es viel mehr zum Skaten und Musikmachen in seiner Heimatstadt Seattle. „Wenn sich meine ganze Familie zusammensäße, um die Person zu wählen, die am wenigsten in die Medizin gehen würde, hätte ich den Preis gewonnen“, sagt er. Nach dem College modelte er und spielte in Teenieserien wie „Dawson’s Creek“, bevor er als Drummer und Sänger in Robert Schwartzmanns Band Rooney zu einer gewissen Bekanntheit gelangte.
Vom Pfleger zur Schauspielerei
Als er die Band verließ, stand Brower plötzlich vor Rechnungen und wenig Optionen. Inspiriert von Freunden, die einen ähnlichen Weg eingeschlagen hatten, wurde er EMT bei der Feuerwehr von Los Angeles County und schloss 2020 seinen Master an der UCLA School of Nursing ab. Trotz seiner früheren Gleichgültigkeit gegenüber der Medizin war er ein Naturtalent – er fand einmal heraus, dass eine 100-jährige Großmutter versehentlich die Cannabis-Brownies ihres Neffen bei ihrer Geburtstagsfeier gegessen hatte (seine Verschreibung: Jazz hören). Andere Erlebnisse waren weniger zum Lachen. Noch heute wird ihm die Stimme brüchig, wenn er an einen Teenager denkt, der beim Schwimmtraining starb.
„Bei so vielen Fällen kann man Mauern hochziehen“, sagt er. „Aber hin und wieder bricht einer dieser Fälle einfach durch dein Schutzschild.“ Diese Erfahrungen – plus die Lektionen aus der Arbeit in der Notaufnahme eines Kinderkrankenhauses in L.A. – sind integraler Bestandteil seiner Performance in „The Pitt“. Als Staffel eins mit dem Nachklang eines Massenschützen bei einem Musikfestival endete, fragte sich Brower: „Kann ich die Emotionen, die irgendwo in einer verschlossenen Schublade in meinem Kopf stecken, auf die Serie übertragen?“
Der echte Krankenpfleger berät am Set häufig in Sachen Notaufnahme-Realität – Brower arbeitet nach wie vor in einer Privatpraxis, die Notfall- und Akutmedizin anbietet. Und auch wenn es so aussieht, als hätte er vor „The Pitt“ eine Weile nichts zu seinem IMDB-Profil beigetragen, schärft er seine Schauspielfertigkeiten bereits seit 2013, als er die Fleetwood-Mac-Musikkomödie „Rumours Tribute Show“ ins Leben rief und zur Begeisterung des Publikums quer durch die USA den namensgebenden Fleetwood spielte. „Das ist wie ein Studiengangswechsel“, witzelt er. „Die Credits werden angerechnet!“
Bloodwerk: Neues Musikprojekt
Die Zusammenarbeit in einer TV-Serie hat Browers musikalische Leidenschaft neu entfacht – die ohnehin nicht wirklich geschlummert hatte, schließlich arbeitet er seit einigen Jahren mit Marc Maron an dessen Show und Specials zusammen. „In Staffel eins von ‚The Pitt‘ hatte ich viel Leerlauf am Set, und dann passierte etwas: Meine kreativen Zahnräder liefen plötzlich auf Hochtouren“, sagt er.
Das Ergebnis ist seine neue Electropop-Band Bloodwerk – ein Name, den ein befreundeter Notaufnahme-Arzt vorschlug. Das Duo, bestehend aus Brower und seinem Kollegen John Low, veröffentlicht gerade seine ersten zwei Singles, inspiriert von Skate-Videos und 80er-Jahre-Favoriten wie den Pet Shop Boys: „Truth Will Tell“ und „Sound Of Mind“. Die Band plant sogar, hyperrealistische Totenkopfmasken zu tragen, die teilweise mit Unterstützung des Effektteams von „The Pitt“ entstanden. Sie sind im Video zu „Truth Will Tell“ zu sehen, in dem Irene Choi (Medizinstudentin Joy aus „The Pitt“) als Gaststar auftritt.
„Meine Erkenntnis – auf halbem Weg durchs Leben – lautet: Man weiß einfach nie, wohin die Dinge führen. Deshalb versuche ich, zu allem Ja zu sagen und neue Dinge auszuprobieren“, sagt Brower. „Es gab große Misserfolge auf dem Weg, aber manchmal führen genau diese Niederlagen zu etwas Unglaublichem, das man niemals hätte voraussehen können.“