Neu im Plattenregal


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Alphaville – „Catching Rays On Giant“
Jan Wigger lässt nach einem ersten Blick kein gutes Haar am neuen Album von Marian Gold: „Das scheußliche Cover-Artwork von ‚Catching Rays On Giant‘ scheint den Niedergang des Alchemisten anzukündigen. Bleibt es so schlimm?“ Die Antwort findet sich bereits online in unserer Rezension.

„Burlesqe“ – O.S.T.
Ungünstiges Timing eigentlich: Der Kinofilm um eine junge Provinzsängerinn (gespielt von Christina Aguilera), die sich vor einer etablierten Burlesque-Club-Besitzerin (gespielt von Cher) beweisen muss, kommt bei uns erst Anfang Januar in die Kinos. Aber mit Cher und Aguilera kann man ja nichts falsch machen -so kommt „Burlesque“ als Soundtrack schon heute heraus, und die Filmbilder werden nachgereicht. Komplett gehört haben wir den Soundtrack noch nicht, wo’s ungefähr hingeht, sieht man im Trailer und im Clip zu „I’m A Good Girl“:

Funny van Dannen – „Meine vielleicht besten Lieder … Live 2010“
Diese Live-Compilaton könnte die Antwort auf die Fragen sein, die man immer wieder hört: Braucht man jede Funny van Dannen-CD? Was sind die essenziellen Hits des Liedermachers? Die in diesem Jahr eingespielten Live-Versionen muten tatsächlich wie ein Best of an und kommen vom Sound der Live-Erfahrung sehr nahe. Die ja bei Funny van Dannen schon immer überzeugender war, als mit vollständiger Band ausformulierte Alben. Hier bekommt man jedenfalls genau das, was man auch auf seinen Gigs schätzt: Geschichten aus der Zeit „Als Willy Brandt Bundeskanzler war“, man kann prima „Saufen“, erfährt mehr über „Posex und Poesie“ und „Herzscheiße“ – und man trifft die „Flatte Ratte“ ebenso wie „Gwendolyn Kucharsky“ und „Anita“. Und das hier ist auch drauf: „Ach Mutti, Mutti, Mutti. Was heißt Vaterland?“

Element Of Crime – „Fremde Federn“
Es hatte schon immer Tradition im Hause von Element Of Crime, sich vor geschätzten Songs mit einer liebevollen Coverversion zu verneigen. Immer wieder fanden sie den Weg in die Live-Shows. Das knurrig-schöne „Akkordeon“ zum Beispiel, im Original von Gainsbourg bzw. in deutscher Version von Alexandra. Oder Andreas Doraus Liebeserklärung an die „Blaumeise Yvonne“. Auf ihrer Single „Am Ende denk ich immer nur an dich“ gönnten sich Regener und Co. dann zudem den Gag, Wham!s „Last Christmas“ noch einmal in ihre Klangsprache zu übersetzen. Da ist es nur folgerichtig, dass Element Of Crime nun ein ganzes Album mit diesen Coverversionen veröffentlichen, auf dem neben den genannten Künstlern auch die Bee Gees, die Beatles, Udo Lindenberg, Dusty Springfield und die Pet Shop Boys vertreten sein werden. Und das hier ist auch drauf:

Cee-Lo Green – „The Ladykiller“
Die Stimme von Gnarls Barkley ist mit seinem Soloschaffen schon seit Monaten ein Thema. Mal, weil die Radiostationen seine aktuelle Single „Fuck You“ (Video siehe unten) aus nahe liegenden Gründen nicht spielen wollten, mal weil er erst „No One’s Gonna Love You“ von der Band Of Horses sehr genial in seine Klangwelt entführte, um es dann noch mit einem sehr ansehnlichen, nicht ganz jugendfreien Video zu bebildern (siehe hier). Auch wenn Greens Soloalbum nicht ganz die Finesse hat, die das Gnars Barkley-Debüt ausmachte, schafft er es dennoch, seinen quietschigen Soul massenwirksam an den Mann zu bringen, ohne dass man ihm ein Anbiedern vorwerfen kann.

Jay-Z – „The Hits Collection“
Ist es Zufall, dass so viele Best ofs in Weihnachtsnähe erscheinen? Wohl nicht. Jay-Zs „Hits Collection Volume One“ bringt jedenfalls genau das, was der Titel verspricht: Die erste Ladung seiner Hits, die heutzutage auch jeder Rocker zu kennen scheint. Anders ist es nicht zu erklären, dass Jay-Z auf dem Rock am Ring die Meute fast mehr anheizte, als Rammstein es taten. Das hier ist natürlich auch drauf:

Tim Kasher – The Game Of Monogamy

Das Soloalbum des Good Life- und Cursive-Sängers gräbt sich noch tiefer in die Gefühlswelt des Tim Kasher. Mal singt dieser zu fröhlichem Omaha-Indie-Folk über „Cold Love“, mal schwelgt er in akustischen Liebesliedern („Strays“, siehe Video unten) und mal kehrt er zu traurigen Geigen auf tragikkomische Weise das Innere nach außen und erzählt in „There Must Be Something I’ve Lost“, wie er beim nächtlichen Facebook-Stalken seiner Ex-Freundinnen zur Erkenntnis kommt: „You know the world don’t revolve around your prick / Just ask your old girlfriends“. Musikalisch ist das alles nicht neu und nicht zu weit von seinen Bands entfernt – dennoch ist „The Game Of Monogamy“ ein starkes, sehr persönliches und mitnichten weinerliches Album geworden.

Nelly Furtado – „The Best Of Nelly Furtado“
18 Hits sind drauf, zumindest aus kommerzieller Sicht. Über die musikalische Qualität eines Songs wie „Forca“ darf man bitte weiterhin streiten. Dennoch zeigt diese Zusammenstellung, was für einen Weg die portugiesisch-stämmige Kanadierin zurückgelegt hat. Erinnert sich zum Beispiel noch Jemand, dass sie mal eine Single namens „Shit On The Radio“ hatte? Gut, ihren bauchnabelfreien Anblick aus dem „I’m Like A Bird“-Video wird man(n) noch vor Augen haben. Schade nur, dass Furtado inzwischen, nach selbstbewussten Ausbrüchen wie „Maneater“, nur noch formatradiotauglichen Pop ohne jegliche Ecken und Kanten machen will. Wer einen Blick in ihre doch schon recht lange Karriere werfen will, kann das momentan auf der sehr gelungenen Website www.nellys-world.de machen.

Rihanna – „Loud“
Es bleibt ein Rätsel, warum Robyn Rihanna Fenty meint, sie müsse sich mit vollem Fleischeinsatz auf die Theke werfen. In jedem Videoclip räkelt sie sich überlasziv, in ihren Songs prahlt sie geradezu mit ihrer Paarungsbereitschaft – und im Booklet zu „Loud“ glaubt man sich bei einigen Fotos eher im „Penthouse“-Magazin. Wer sich davon blenden lässt, wird ihr Album vielleicht großartig finden, hört man jedoch mal rein, und tut dies genauer, findet man leider viel aufgeblasenes Füllmaterial. Song 1, ganz böse „S & M“ tituliert, beginnt mit den Zeilen „Feels so good being bad / there’s no way of turning back“. Kann man ja machen, nur warum packt man das in einen solchen braven Discotrack, der außer einem nervötenden „I like it like it: Come on!“-Sampler kaum eine Idee vorweist. Ähnlich krude klingt ihre Interpretation eines Trinklides „Cheers (Drink To That)“. Stilistisch ja durchaus ein Wagnis, den R’n’B in den Pub zu tragen, bleibt der Song musikalisch eher dröge. Ihren großen Moment hat Rihanna dann zum Ende, wo sie – wieder gemeinsam mit Eminem – den zweiten Teil des Hits „Love The Way You Lie“ singt. Ansonsten: Bisweilen recht nettes Chartsfutter, das böse und verrucht sein will, und vielleicht gerade deshalb ein wenig bitter schmeckt. Hier noch das aktuelle, ebenfalls recht laszive Video zu „Only Girl (In The World)“.

Take That – „Progress“
In unserer kommenden Ausgabe nimmt sich Birgit Fuß das so heiß erwartete Comeback-Album vor – und hat dabei immerhin dreieinhalb Sterne für die Herren um Robbie Williams und Gary Barlow übrig. Ihr Fazit: „Perfekte Popmusik, die nichts sagt, das aber mit Nachdruck.“ Oder: „Ein ‚Progress‘ ist es vielleicht nicht, aber die Chance für alle Ü30-Jährigen, doch noch mal tanzen zu gehen, ohne sich zu genieren.“ Das aktuelle Vidoe gibt es hier.

Kanye West – „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“
Die amerikanischen Kollegen machten das neue Album von Kanye West gleich zur Platte der Woche ihrer aktuellen Ausgabe. Rob Sheffield höchstselbst zieht in seiner Aufmacherrezension das erstaunliche Fazit: „Being crazy is this guy’s job, and judging from the sound of his music, business is booming. My Beautiful Dark Twisted Fantasy is his most maniacally inspired music yet, coasting on heroic levels of dementia, pimping on top of Mount Olympus. Yeezy goes for the grandeur of stadium rock, the all-devouring sonics of hip-hop, the erotic gloss of disco, and he goes for all of it, all the time. Nobody halfway sane could have made this album.“ Uff. Ob’s so großartig ist, muss nun wohl ein Jeder selbst nachhören. Erfreulich ist allemal, das Mr. West offenbar nun wieder auf seine eigene Stimme setzt und nicht mit unsäglichem Autotune-Genäsel nervt. Oder ist die Begeisterung der US-Kollegen vielleicht darin begründet, dass Kanye West sogar mal persönlich in der Redaktion vorbeigeschaut hat?

Zucchero – „Chocabeck“
So ganz überzeugt ist unser Autor Frank Lähnemann nicht vom neuen Zucchero-Album – obwohl sogar Bono und Roland Orzabal von Tears For Fears mithalfen. Sein charmant böses Fazit: „Für die Palette bei Media-Markt reicht das, für einen Eintrag im Buch der großen Innovationen nicht. Warum sich auch noch Brian Wilson beim Titelsong zur Beteiligung als Chorstimme hat hinreißen lassen, bleibt ein Rätsel. Ob sie alle dem Charme des Lebemanns verfallen sind? Man hört, dass er eines der besten Olivenöle Italiens herstellt – und zu Gästen immer äußerst großzügig ist.“ Die vollständige Rezension gibt es hier.

In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende (im Plattenladen)!

Zusammengestellt von Daniel Koch