Neu im Platttenregal: Die Alben vom 22. April 2011


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Hier eine Auswahl der neuen Veröffentlichungen im simfy-Player (die Songs sind ca. zwei Wochen hörbar):

Bohren & Der Club Of Gore -„Beileid“ (PIAS/Rough Trade)
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Das Langsamtreter-Jazz-Ensemble Bohren & Der Club Of Gore covert eine Powerballade von Doro Peschs Band Warlock („Catch My Heart“) – und lässt den Song dabei von Mike Patton singen, der anscheinend noch Zeit hatte zwischen all seinen Bands wie Faith No More, Mr. Bungle, Fantomas, Tomahawk und Peeping Tom. Die Verbindung liegt näher als man denkt, denn Bohren veröffentlichten auch auf Pattons Label „Ipecac Records“. Das Ergebnis klingt dabei erstaunlich stimmig und so gar nicht (mehr) nach Power-Ballade. Die 13minütige Interpretation ist eine düstere, einem das Herz zermahlende Klangreise, veredelt mit feinstem Patton-Phatos. Dazu gibt es zwei Instrumentalstücke auf „Beileid“ – einmal das Titelstück und ein als „Blues“ deklarierter Song namens „Zombies Never Die“.

Bill Callahan – „Apocalypse“ (Drag City/Rough Trade)
Fünf Sterne sitzen bei unseren Autoren ja nur selten locker – Alexander Müller gab sie Mr. Smog Bill Callahan dennoch. Warum, kann man hier in unserer Rezension nachlesen. Das Album erschien schon vor einigen Tagen auf CD – ab heute gibt’s dann auch die LP. Ein ausführliches Interview mit Bill Callahan gibt es übrigens in der nächsten Ausgabe. Maik Brüggemeyer traf ihn in Berlin. Hier kommt der Song „Baby’s Breath“:

Explosions In The Sky – „Take Care, Take Care, Take Care“ (Cooperative Music/Universal)
Neue Instrumental-Exkursionen der Herren Munaf Rayani (Gitarre), Mark Smith (Gitarre) und Michael James (E-Bass). Wer beim Wort Postrock Ausschlag bekommt, wird natürlich auch mit „Take Care, Take Care, Take Care“ nicht glücklich. Wer sich jedoch gerne vom feinen Melodienspinnen einlullen lässt – der schon. Von den acht Songs überzeugt vor allem „Last Known Surroundings“ und das sphärisch-tröstliche „Be Comfortable, Creature“, das man passender nicht hätte betiteln können. Das Album ist momentan auf der Website der Band im Stream zu hören.

Emmylou Harris – „Hard Bargain“ (Nonesuch/Warner)
Harte Worte und nur zwei Sterne von unserem Autoren Max Gösche: „Harris‘ unvergleichliche Stimme – sie wird auch auf ‚Hard Bargain‘ wieder Menschen älteren Jahrgangs zu Tränen rühren; jüngere Generationen werden dagegen ein Gähnen nicht unterdrücken können.“ Das Album gibt es momentan auf der Website von NPR zu hören, wir haben zudem eine exklusive Session, in der uns Emmylou Harris „Darlin‘ Kate“ spielt und den Song im Anschluss erklärt. Hier noch der aktuelle Clip zu „Goodnight Old World“:

The Head And The Heart – „The Head And The Heart“ (Cooperative Music/Universal)
Wir trafen die Band aus Seattle bereits zum Interview – das man hier nachlesen kann. In unseren Rezensions-Quickies werden sie mit vier Sternen bedacht: „Sextett aus Seattle mit jubilierendem Neo-Folk und Rückgriffen auf The Band und Fleetwood Mac. Viele Lieder steigern sich mit dreistimmigen Gesängen und hoppelnden Klavier-Riffs zu sehnsüchtig schönen Ekstasen. Himmlisch.“ Die tolle Single „Lost In My Mind“ läuft in unserem simfy-Player. Hier noch zwei schöne Radio-Sessions, eingespielt in ihrer Heimatstadt:

Clare Maguire – „Light After Dark“ (Polydor/UID/Universal)
Die junge Dame wurde von ihrem Label recht eindeutig auf Starkarriere programmiert, wie man schon in unserer „Breaking“-Rubrik nachlesen konnte. In unseren Rezensions-Quickies bekommt Clare Maguiere drei Sterne für ihr Debüt „Light After Dark“: „Das talentierte Mädchen aus Birmingham erfüllt alle Erwartungen: Sie singt glockenhell wie eine kleine Madonna (nicht der Superstar) und manchmal kippt sie auch ins Kate-Bush-Überkandidelte, niemals nimmt sie sich zurück. Sie schreibt schöne Popsongs über Michael Jackson (‚The Last Dance‘) oder die Tücken der Liebe (‚I Surrender‘), und man glaubt ihr sofort, dass sie noch viel vorhat: This is not the end.“ Das Album läuft im simfy-Player. Hier noch der Clip zu „The Last Dance“:

Morrissey – „The Very Best Of (EMI/Capitol/)
Kann man nix falschmachen: Das Beste aus Morrisseys Solo-Schaffen auf zwei CDs – dazu gibt es eine DVD mit all seinen Videoclips. Arne Willander stellte die Compilation kürzlich in seinen Wochentipps vor. Dieser Song ist natürlich auch drauf:

Yael Naim – „She Was A Boy“ (Tot ou tard/Rough Trade)
Leider nur zwei Sterne für das neue Album der Französin in unseren Rezensions-Quickies. Warum? „Nach dem Erfolg ihrer Single ‚New Soul‘ hat die aparte Sängerin ihr Pariser Apartment gleich zum Studio ausgebaut. Dort entstanden nun fluffige, von David Donatien kompetent arrangierte Jazzpopsongs, aber muss eine 23-Jährige schon so abgeklärt klingen?“ Hier der Clip zur Single „Come Home“:

Tamikrest – „Toumastin“ (Glitterhouse/Indigo)
Dreieinhalb Sterne in unsren Rezensions-Quickies: „Ensemble aus Mali mit dem entsprechenden Mix aus afrikanischer Folklore und Desert Blues. Musik für den kulturellen Grenzgang – nicht zu fremd, aber durchaus andersartig.“ Hier der aktuelle Clip „Aratan N Tinariwen“ eine Kurzdoku zum neuen Album:

Yuck – „Yuck“ (Cooperative Music/Universal)
Ein Interview mit den britischen Youngsters, die so souverän den Indie der 90er in die Jetztzeit bringen, gibt es in der kommenden Woche auf www.rollingstone. Daniel Koch traf die Band bereits einen Tag vor ihrem ersten Deutschlandgig in Kopenhagen. In seiner Rezension gibt es dreieinhalb Sterne und dieses Fazit: „Das Yuck-Debüt ist ein gutes geworden, ein selbstbewusster wie selbstverständlicher Schritt einer Band, die eindeutig die richtigen Platten im Schrank hat. Daniel Blumberg selbst sagt, er wolle nur weiter und weiter Lieder schreiben. Nach dieser ersten Sammlung kann man nur sagen: Bitte, gerne.“ Hier der (seltsame) Clip zu „Rubber“ und der Song „Get Away“ – gespielt bei ihrer Session für BBC Radio 1: