„Den ganzen Scheiß will ich nicht mehr mitmachen“: Niedecken vs. WM-Kommerz

Kurz vor dem WM-2026-Start kritisiert BAP-Chef Wolfgang Niedecken das Kostendebakel: „Es ist alles überteuert bis dort hinaus“. Sein offener Ärger über Ticketpreise und die Fan-Entfremdung.

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Kurz vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 warnt Wolfgang Niedecken vor einer zunehmenden Kommerzialisierung des Sports. Der BAP-Gründer und langjähriger Fan des 1. FC Köln sieht insbesondere die Entwicklung in den USA kritisch. „Ich sehe die Gefahr, dass der Fußball überkommerzialisiert wird. Es ist alles überteuert bis dort hinaus“, wird er im „Kölner Stadtanzeiger“ zitiert.

Aus seiner Sicht werden Stadionbesucher zunehmend zu Nebendarstellern, während die eigentlichen Einnahmen längst über TV-Rechte, Sponsoren und globale Vermarktung erzielt werden.

Die teils extrem hohen und dynamischen Ticketpreise bei der WM gelten vielen Kritikern als Beleg für diese Entwicklung.

Entfremdung vom Fußball

Die Folgen beschäftigen den Musiker auch persönlich. „Ich weiß nicht, ob es irgendwann so weit ist, dass ich sage: Den ganzen Scheiß will ich nicht mehr mitmachen“, erklärt er und bringt damit eine Entfremdung zum Ausdruck, die viele Fußballfans nachvollziehen dürften.

Musikstars als Kooperationspartner der FIFA

Bemerkenswert ist, dass Niedecken mit seiner Kritik zu den wenigen prominenten Musikern gehört, die sich öffentlich zum Kommerz rund um die WM äußern. Während bei der WM 2022 in Katar Künstler wie Rod Stewart oder Dua Lipa offen Position bezogen, sind bei der WM 2026 eher Kooperationen mit der FIFA bekannt geworden.

Internationale Popstars wie Shakira, Burna Boy, Lisa, Anitta oder Rema sind Teil des offiziellen Musikprogramms. Sie nehmen gerne die Vermarktungs-Budgets des Turniers in Anspruch.

Fan-Organisationen als wichtigste Kritiker

Die schärfste Kritik kommt weniger aus der Popkultur als von Fan-Organisationen. Der Dachverband „Football Supporters Europe“ geißelt enorme Ticketpreise, mangelnde Transparenz und die zunehmende Eventisierung des Fußballs.

Genau hier setzt auch Niedeckens Einwand an. Er verweist auf breitere kulturkritische Fragen. Die WM 2026 zeigt wie unter der Lupe, wie eng Sport und Popkultur längst miteinander verflochten sind. Während sich die Kritik gegen die von FIFA-Boss Infantino vorangetriebene Ultra-Kommerzialisierung richtet, steht auch die Entwicklung im Fadenkreuz, in der Fußball und Popmusik gleichermaßen zu Bestandteilen eines globalen Entertainment-Geschäfts werden. Ein Endpunkt scheint noch nicht erreicht.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.