Marteria: „Udo Lindenberg ist einfach ein Alien, oder?“

Auszüge aus unserer Oral History von Udo Lindenberg, die in unserer neuen Printausgabe erscheint.

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Otto Waalkes: Wenn ich an Udo denke, fällt mir als erstes sein Wasserbett ein. Der Inhalt kam mal durch die Zimmerdecke. Er hat nämlich genau über mir gewohnt, ist dann eingeschlafen, mit brennender Zigarre. „Schlecht fürs Bett, gut für den Haarwuchs“, das war sein Kommentar.

Marius Müller-Westernhagen: Ich hatte absolut kein Geld, musste irgendwo unterkommen, zur Not in einer Kammer unterm Dach. Ohne Matratze, mit alten Magazinen als Unterlage. Udo und Otto haben da gewohnt, alle möglichen anderen Leute. Es wurde irre viel getrunken, und einmal die Woche kam ein Putzkommando durchs Haus.

Wolfgang Niedecken: Zum ersten Mal hab ich Udo Anfang der Siebziger im Autoradio gehört, „Daumen im Wind“. Ich weiß noch, dass ich das anders fand als alles, was es sonst so gab. Sperriger, kein gewöhnlicher Schlager.

Nina Hagen: Zum ersten Mal habe ich ihn in der Wohnung von Wolf Biermann in der Chausseestraße getroffen. Udo hat den Biermann besucht, und ich war gerade zufällig da. Na ja, nicht so zufällig: Ich war zwar erst 15 oder 16, aber schon Sängerin. Ich wollte Udo auf Augenhöhe begegnen. Er hat mich gefragt, was ich mal werden wolle, und ich hab verkündet: „Ich werde ein Weltstar.“ Da hat er gestaunt. Hat ihm aber gefallen.

Marteria: „Sonderzug nach Pankow“, dass er sich eingesetzt hat für die Leute in der DDR, das war schon besonders. Auch deswegen war Udo einer der wichtigsten Musiker meiner Kindheit und Jugend.

Alli Neumann: Ich war mal auf Udos Geburtstag im Hotel Atlantic eingeladen und da waren jede Menge Doubles im Hotel. Die waren so gut, dass ich bis heute nicht weiß, ob ich ihm gratuliert habe – obwohl er ja für Eigenheit und Unverwechselbarkeit steht. Das finde ich paradox und witzig. Passt aber irgendwie zu Udo und der ganzen Welt, die er geschaffen hat.

Jan Delay: Egal ob ich rappe oder singe – jedes Mal, wenn ich den Mund aufmache, singt Udo mit. Ob ich will oder nicht. Weil ich durch ihn deutschen Gesang kennengelernt habe. Die Faszination wurde noch größer, als ich ihn getroffen habe. Weil man merkt: Der ist wirklich so. Und gleichzeitig ist er total wach. Du denkst ja, der ist verpeilt, aber Udo kriegt alles mit. Er sitzt bei dir, redet, hört nebenbei drei andere Gespräche im Raum, steht auf, macht vielleicht kurz das Fenster zu – und setzt dann genau an der Stelle wieder ein, wo er aufgehört hat. Und das alles in seiner Sprache. Das wirkt fast wie eine Fassade, ist aber keine. Er ist einfach so.

Marius Müller-Westernhagen: Er ist so ein hervorragender Trommler, weil er einfach Swing hat – das haben nur sehr wenige in Deutschland. Er hat ja sogar bei Doldinger gespielt. Ich habe immer bedauert, dass er damit aufgehört hat.

Clueso: Udo hat den Rock’n’Roll jahrelang so sehr zelebriert, dass es bei ihm sogar eine Bar auf der Bühne gibt. Die hat aber ihre Tücken: Als ich mit ihm auf Tour war, musste ich immer nur für „Cello“ auf die Bühne. Der Song kam ganz am Anfang und danach hatte ich frei. Wenn man sich dann getraut hat, sich mitten auf der Bühne an diese Bar zu setzen, bekam man tatsächlich etwas. Die Bar ist nämlich keine Attrappe, man kann da wirklich was bestellen vor 60.000 Leuten.

Alli Neumann: Udo hat mir geraten, meine langen blonden Haare abzurasieren, damit mein Aussehen besser zu dem passt, was ich vermitteln will. Ich habe sie mir dann schwarz-weiß gefärbt – und das hat mir tatsächlich geholfen.

Marius Müller-Westernhagen: Udo hat anscheinend Alien-Blut, wie Keith Richards. Anders kann ich mir nicht erklären, dass er mit seinem Lebenswandel immer noch rumläuft.

Marteria: Udo Lindenberg ist einfach ein Alien, oder? Der ist einfach anders.

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