Experten halten Kinderpornografie-Vorwurf des ehemaligen „Nirvana-Babys“ für lächerlich


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Wahrscheinlich kennt jeder Spencer Elden. Auch wenn der Name einem nichts sagt, ist ein Bild von ihm zu einem der ikonischsten Plattencover aller Zeiten geworden. Spencer Elden ist das Baby auf dem Cover von Nirvanas „Nevermind“. Die Platte erschien 1991, mittlerweile ist Elden also in seinen Dreißigern.

Vor einigen Tagen reichte Elden eine Klage ein, gerichtet an die überlebenden Mitglieder der Band, als auch an Kurt Cobains Nachlass, den Fotografen Kirk Weddle und die Labels, die an der Veröffentlichung des Albums beteiligt waren. Der Anlass? Er halte das „Nevermind“-Cover für kinderpornografisches Material, millionenfach verbreitet, und dies stelle eine Verletzung seiner Privatsphäre dar.

Auf dem Cover eines der wichtigsten Grunge-Alben schwimmt ein nacktes Baby in einem Pool. Es sieht aus, als wollte es nach einer Ein-Dollar-Note greifen, die an einer Angelschnur im seichten Wasser vor ihm treibt. Eine Bildmontage. Und eine manifestierte Kritik am kapitalistischen System der Ersten Welt. Gerade erst aus dem Mutterleib, sehnt sich das Kleinkind bereits nach dem ersten materiellen Besitz.

Nun äußerte sich eine der Anwält*innen, die das „Nevermind-Baby“ in dem Fall vertreten, öffentlich zu der Klage. Im Kreuzfeuer sprach sie gut sieben Minuten mit CNN Moderator Chris Cuomo über die Hintergründe der Vorwürfe. Immer wieder beharrt der Moderator darauf zu klären, in wie fern das Bild Kinderpornografie darstelle oder nicht. Laut der Anwältin sei es eine „übertrieben sexualisierte“ Darstellung, und weiter, dass der Entstehungsprozess „Kinderausbeutung“ gewesen sei. Ebenso die Art, „wie sie das Bild heute verbreiten“. Sie erwähnt auch, dass Elden mit einer weiteren Verletzung seiner Privatsphäre rechnet – das Album feiert im September sein 30. Jubiläum.

„Denken Sie wirklich, dass dieser Mann ein gutes Gesicht für den Schmerz ist, den Kinderpornografie verursacht?“

Nachdem die Anwältin behauptet, dass ein möglicher Sieg vor Gericht ein „monumentaler Sieg“ für alle Opfer der Kinderpornografie darstelle, fährt Chris Cuomo für einen kurzen Moment aus der Haut. „Jemand der Geld damit gemacht hat, der den Namen des Albums auf die Brust tätowiert hat, der sich selbst so einige Male in seinem Leben dafür gefeiert habe“, auf diesem Albumcover zu sein, sei ein gutes Beispiel für all den Schmerz, den Kinderpornografie verursacht? Für Cuomo kling es so, als würde die Anwältin die Gräueltaten um die dokumentierte sexualisierte Gewalt an Kindern durch den von Spencer erhobenen Vorwurf relativieren.

Nach Schätzung der vom „Hollywood Reporter“ befragten Rechtsexperten dürfte die Klage womöglich von den Gerichten abgewiesen werden. Ein hinzugezogener Anwalt bezeichnete die Klage als „lächerlich“. Eine andere wies auf Eldens früheren Umgang mit dem Bild hin; er zeigte sich oft stolz mit dem Bild. Das CNN-Interview ist hier zu sehen. Der Beitrag beginnt bei 32 Minuten und 44 Sekunden.