„Okay, ich bin ein Nazi“ Lars von Trier wird in Cannes vom Festival ausgeschlossen


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Eigentlich sollte es ein Filmfest werden, genauer gesagt die fulminante Premiere von dem neuen Lars von Trier-Streifen „Melancholia“. Der Regisseur, der schon mit dem Film „Antichrist“ für Auffuhr sorgte, erschien gelöst und gut gelaunt – bis er sich plötzlich um Kopf und Kragen redete. Wegen seinen positiven Äußerungen zu Adolf Hitler sah die Leitung des Filmfestivals sich nun gezwungen, den dänischen Regisseur vom Festival auszuschließen.

Bei der Pressekonferenz zu seinem Apokalypse-Drama wurde von Trier mit einer Aussage aus einem Interview konfrontiert, in dem er ein gewisses Interesse an der Kunst des Nationalsozialismus bekannt gegeben hatte. Er begründete dies: „Ich dachte, ich sei ein Jude, aber dann fand ich heraus, dass ich eigentlich ein Nazi bin.“

Seine Eltern stammten aus Deutschland, hätten anscheinend Hartmann geheißen. „Was soll ich sagen? Ich verstehe Hitler, ich denke zwar, dass er ein paar absolut schlimme Dinge getan hat, aber ich kann mir ihn auch in seinem Bunker vorstellen.“

Kirsten Dunst und Charlotte Gainsbourg wurden mit jedem weiteren Wort sichtlich angespannter. Auch von Trier schien zu bemerken, dass er in diesem Moment zu viel Preis gab und suchte nach einem Ausweg. „Wie komme ich aus diesem Satz nur wieder raus?“, dachte er laut nach und erntete dabei einige Lacher von den Journalisten. Er versuchte, seine Aussagen noch mit seinem Respekt vor Albert Speer und der Kunst des Dritten Reiches zu begründen, ergab sich schließlich aber einem leicht hilflosen „Okay, ich bin ein Nazi.“

Für seine Aussagen entschuldigte er sich später schriftlich bei der Leitung der Filmfestspiele, er habe sich „von einer Provokation hinreißen lassen“. Das war der Festivalleitung jedoch nicht genug.  „Die Festivalleitung verurteilt diese Kommentare auf das Schärfste und erklärt Lars von Trier mit sofortiger Wirkung zur unerwünschten Person auf dem Festival von Cannes“, lautet das offizielle Statement. Die Sprecherin des Festivals erklärte, sie wisse nicht, ob ein Ausschluss schon einmal vorgekommen sei. Wenn nicht, hatte offensichtlich nicht nur „Melancholia“ Premiere.

Nichtsdestotrotz, den Kritikern schien der Film gut gefallen zu haben. Er sei zwar kein „Dancer in the Dark“, für den von Trier im Jahr 2000 in Cannes mit der goldenen Palme ausgezeichnet wurde, aber besonders seine ruhigen und schönen Bilder hinterließen einen tiefen Eindruck beim Zuschauer.

Im Drama spielt Kirsten Dunst die melancholische Justine, die im Schloss von ihrer Schwester Claire (Gainsbourg) und deren Mann John (Kiefer Sutherland) ihre Hochzeit feiert. Die Ehe hält jedoch nicht lange, und Claire nimmt ihre Schwester daraufhin bei sich auf, da sie sich von den Strapazen der vergangenen Zeit erholen muss. Währenddessen hat sich ein Planet der Erde genähert, ein blauer Gigant namens Melancholia. Dieser soll, laut der Gemeinde der Wissenschaftler, an der Erde vorbeiziehen. Dass dem nicht so ist und die beiden Himmelskörper unweigerlich kollidieren werden, ist dem Zuschauer von Anfang an klar.

Der Film zeigt nun, wie die beiden Schwestern Justine und Claire mit dem nahenden Ende der Welt umgehen. Anfangs behält die erwachsene und vernünftige Claire noch die Kontrolle, als das Liebesleben ihrer Schwester zerbricht. Doch angesichts der drohenden Apokalypse nimmt Justine die Zügel in die Hand und bildet den Ruhepol des Geschwisterpaares. Der Untergang der Welt wird schlussendlich als Happy End dargestellt,  ein Kunstgriff von Lars von Trier, den man mögen kann, aber nicht muss.

Es kommt wohl ein bildgewaltiges Spektakel auf uns zu, wenn der Film am 29. September endlich in den deutschen Kinos anläuft. Bis kann er dahin noch von der ungewollten PR zehren. Dennoch werden Lars von Triers Kommentare und sein Hinauswurf in Cannes wohl noch lange für Gesprächsstoff sorgen.

Melancholia – der offizielle Trailer