Phoebe Bridgers‘ Rückkehr in den Madison Square Garden war unvergesslich
Die Singer-Songwriterin gab ihre größte Show seit Jahren – und das Handyverbot machte sie nur noch besser.
Die Schreie begannen lange, bevor die Lichter im New Yorker Madison Square Garden an diesem Donnerstagabend erloschen – Schicht um Schicht, die Wände der Arena hinaufhallend. Die Schlangen vor dem Merchandisestand zogen sich durch das gesamte Foyer, aufgeteilt in Abschnitte, damit der Besucherstrom nicht ins Stocken geriet. Draußen strömten Fans die Treppen aus dem Untergrund hinauf, durch den U-Bahn-Ausgang der Penn Station. Der ist frisch in Orange und Blau gestrichen – zu Ehren der Knicks, die zum ersten Mal seit 1999 in den NBA-Finals stehen. Doch trotz des gelegentlichen „Let’s go Knicks“-Rufs ist das hier kein Basketballspiel. Das ist ein Phoebe-Bridgers-Konzert.
Diese Show war eine echte Überraschung – angekündigt erst vier Tage zuvor, mit Tickets für einen Dollar, erhältlich ausschließlich per Verlosung. Sie bildet den Abschluss eines außergewöhnlichen Monats, in dem die 31-jährige Singer-Songwriterin nach drei Jahren Pause wieder aufgetaucht ist und ihre Fans mit akustischen Pop-up-Shows quer durchs Land überrumpelt hat. Die Reihe begann in Roswell, New Mexico, und endete letztes Wochenende in Fargo, North Dakota – stets in intimen Clubs mit nur ein paar Hundert Plätzen. Dass die Tour nun in einer Halle mit 22.000 Fassungsvermögen gipfelt, also grob gerechnet mehr als 50 dieser Venues auf einmal, war da nur folgerichtig. (Wer an dieser Rechnung zweifelt, sei an die erste Zeile von „Waiting Room“ erinnert: Als Lehrerin würde Bridgers uns glatt durchfallen lassen.)
Bridgers‘ letzter Auftritt im Garden war im Oktober 2023, als sie mit ihrer Supergroup boygenius – an ihrer Seite Julien Baker und Lucy Dacus – ihr Debüt an diesem legendären Ort gab. Davor war sie auf Tour für ihr Breakthrough-Album „Punisher“ von 2020, das in diesem Monat sechs Jahre alt wird. Doch anders als bei jenen Shows war der heutige Abend handyfrei: Geräte wurden in Yondr-Beuteln eingeschlossen (als Ersatz gab es schwarze Lesezeichen mit silberner Aufschrift und Sitzplatznummer). Der Einlass zog sich dadurch in die Länge – war aber jeden Moment wert.
Besonders der Anblick des Publikums, das nur vom Flackern hochgehaltener Feuerzeuge beleuchtet wurde, hatte etwas Euphorisches; für viele dürfte es das erste Mal gewesen sein, dieses Gefühl aus der Vor-Smartphone-Ära zu erleben. Bridgers bedankte sich beim Publikum für die „internetfreie Zone“, auch wenn sie wusste, dass sich manche nicht daran hielten. „Falls jemand von euch eine Apple Watch im Arsch versteckt hat, um das hier aufzunehmen – bitte stell das nicht ins Internet“, sagte sie. „Ich vertraue euch.“
Platinblond und Black Sabbath
Bridgers betrat die Bühne mit platinblonden Haaren und einem Black-Sabbath-Shirt – eine Fortsetzung ihrer Gewohnheit, im vergangenen Monat bei jedem Auftritt ein anderes Band-Shirt zu tragen, von Radiohead bis zu den Grateful Dead. Begleitet wurde sie von ihrem langjährigen Mitstreiter Christian Lee Hutson (er ist der Freund, den sie im „Punisher“-Kleinod „Halloween“ besingt) sowie Keyboarder Nick White, der schon auf der „Punisher“-Tour dabei war.
Gemütliche Wohnzimmer-Bühnenbilder sind gerade groß in Mode – bei den jüngsten Shows von Waxahatchee und MJ Lenderman gab es einen Fernseher und mehrere Stehlampen, Lucy Dacus hatte für ihre Soloshow ein Sofa auf der Bühne. Aber nur Bridgers würde den Garden mit Wählscheibentelefonen, Lavalampen und Weltraum-Postern bestücken. Wenn sie an ihrem Teebecher nippte oder sich auf dem Sofa zurücklehnte, um ihre Akustikgitarre zu zupfen, hatte man das Gefühl, direkt neben ihr zu sitzen.
Handyverbot
Neben Handys waren auch Stift und Papier verboten – denn Fans hatten begonnen, die Texte der neuen Songs, die sie der Welt Stück für Stück enthüllt, ins Netz zu stellen, begierig darauf, zu entschlüsseln, wer und was darin gemeint ist. Wir halten uns an diese Regel, aber so viel sei gesagt: Die neuen Songs gehörten zu den stärksten Momenten des Abends. Bridgers zog das Publikum in ihren Bann mit dem neuesten Einblick in ihren Kopf. Die Texte waren pointierter und introspektiver denn je, und man merkt, dass sie mit ihrer Stimme experimentiert. Sie spielte dieselben neuen Stücke wie in den vergangenen Wochen und schob ein Live-Debüt mit New-Yorker Bezügen zwischen den „Stranger in the Alps“-Klassiker „Scott Street“ und das Finale „I Know the End“.
„Garden Song“ spielte Bridgers nicht – das wäre zu offensichtlich gewesen – aber sie streute Fan-Favoriten aus „Alps“ und „Punisher“ in ihr Set. Ihre stärksten Zeilen, etwa das niederschmetternde „I hate you for what you did / And I miss you like a little kid“ aus „Motion Sickness“, sind wie gemacht dafür, im Garden mitgebrüllt zu werden. Dasselbe gilt für die nautisch angehauchte Geburtstagsparty, von der sie in „Moon Song“ träumt – und als Tausende von Stimmen „You are sick and you’re married and you might be dying“ hinausschrien, konnte man nur staunen über die Haltbarkeit ihrer Musik.
Ehrliche Worte und ein Ausblick
Es gab viele aufrichtige Momente in dieser Show, etwa als Bridgers das Publikum dafür dankte, die konservativen Ansichten ihrer Eltern „abzuwehren“. So wie es ihr verstorbener Vater einst getan habe. Sie wies auch auf den Immigration Bond Freedom Fund hin, eine Organisation, die Menschen aus Abschiebehaftanstalten freikauft und die die Einnahmen des Abends erhielt. Sie kündigte eine offizielle Herbsttour an, die sie heute Morgen formal bekanntgab. Sue scherzte darüber, dass all ihre Songs von der Vergangenheit handeln. Aber genau das lieben wir an ihnen. Genau deshalb war ihre Abwesenheit in den letzten Jahren so spürbar. Wir haben versucht, clean zu bleiben und ohne sie auszukommen. Doch sich dem Klang zu ergeben fühlte sich einfach zu gut an.
Phoebe Bridgers Setlist
„Motion Sickness“
„Waiting Room“
„Kyoto“
„Moon Song“
Neuer Song
Neuer Song
Neuer Song
Neuer Song
Neuer Song
Neuer Song
Neuer Song
„Graceland“
„Scott Street“
Neuer Song
„I Know the End“
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