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Prince – Sign O' The Times

Prince: Die Geschichte hinter seinem alter ego Camille


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Der Oktober-Ausgabe des ROLLING STONE, die am 24. September 2020 erscheint, ist eine exklusive 7-Inch-Single von Prince mit bislang unveröffentlichtem Single-Cover beigelegt: A-Seite ist „Sign O‘ The Times“, und auf der B-Seite präsentieren wir „Witness 4 The Prosecution (Version 1)“. Beide Stücke befinden sich auf der am 25. September erscheinenden Deluxe-Edition von „Sign O‘ The Times“.

Unlängst geisterte ein Foto durch die sozialen Netzwerke, es zeigte Prince in Strumpfhalter und Bikini, er grinste diebisch. Das Bild dürfte eine Fälschung gewesen sein. Nicht, weil Prince Damenunterwäsche trug; zu Karrierebeginn ging er sogar in Reizwäsche auf die Bühne. Sondern weil er grinste, als wolle er sich über Männer in Frauenkleidern lustig machen.


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In Wirklichkeit nahm Prince Cross-Dressing ernst: Stolzer als etwa auf dem „Dirty Mind“-Cover von 1980 sah der bestrapste Musiker nie mehr aus. Mit „Purple Rain“ würde er dann der Erste sein, der in Strapsen und auf Pumps die weiße Rockhörerschaft Amerikas für sich gewinnt. Für „Sign O‘ The Times“ erarbeitete er schließlich eine Kunstfigur: Camille, dessen Stimme in derartig schlumpfig-künstliche Höhen geschraubt wird, dass nicht klar war, wie viel Mann, wie viel Frau, was überhaupt in ihm steckt. Wenn Camille in „If I Was Your Girlfriend“ davon sang, die Freundin einkleiden zu wollen, blieb rätselhaft, ob dies ein heterosexueller, homosexueller oder bisexueller Wunsch war – oder der gar eines Nicht-Menschen.

Prince war der vielleicht erste heterosexuelle Pop-Superstar, der sich solch eine Uneindeutigkeit zutraute, dem es egal war, was konservative Hörer davon hielten. Vier Camille-Songs brachte er auf seinem meistgefeierten Album unter, mit „U Got The Look“ sogar einen Hit. Was steckte hinter Camille?

Camille, die Hexe?

„Prince entwickelte Camille zufällig“, glaubt seine damalige Toningenieurin Susan Rogers. Er sei auf das Album seines Freundes Jesse Johnson aufmerksam geworden, das den Titel „Shockadelica“ trug – ohne dass ein Song so hieß. Das habe Prince empört. „Und dann“, so Rogers, „postulierte er etwas, das nicht stimmt: ‚Alle großen Alben haben eines gemeinsam: Der beste Song ist ihr Titelstück!‘“. Er spielte also „Shockadelica“ ein, aber für seine eigene, nächste Platte. Die Geburtsstunde von Camille. Pikanterweise skizzierte er den Charakter ursprünglich nicht als Vorkämpfer(in) für Diversität, sondern als „Witch“, als „Hexe“, die Feuer legt, er singt: „The Bed’s On Fire, Your Fate Is Sealed“.


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„Während Aufnahmepausen“, erinnert sich Rogers, „zeichnete ich Figuren. Wo Augen sein müssten, hatten sie Kreuze. Waren sie tot oder lebendig? Männer oder Frauen? Waren sie Zombies?“ Prince habe den Gedanken, dass Jemand aus dem Jenseits Unheil stiftet, gemocht. In „Rebirth of the Flesh“, auf der Deluxe-Edition von „Sign O‘ The Times“ erstveröffentlicht, begrüßt Camille schließlich als Schamane die Untoten, erweckt durch seinen Funk.

Erst mit „If I was Your Girlfriend“ stellte Prince dieses teuflische, schwarze Schaf der Familie als eine um Bindung kämpfende Person im Hier und Jetzt dar – und als eine, die ihr uneindeutiges Geschlecht als Vorteil verstand. Wenngleich in den unzähligen Interpretationen des Lieds meist nur der erste Song-Teil im Vordergrund steht, in dem Camille die Ruhe behält. Das dramatische Finale, ein innerer Monolog als immer verzweifelnder werdender Spoken-Word, deutet dann doch darauf hin, dass Camille unter gestörter Wahrnehmung leidet. Eines aber, sagt Susan Rogers, würden die meisten Journalisten fehlerhaft darstellen: dass Prince erst mit Camille seine High-Pitched-Stimme erfand. „Das begann 1984 schon, mit ‚Erotic City‘“.


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Nach „Sign O‘ The Times“ würde Prince das Spiel mit dem Genus schnell wieder sein lassen. Vielleicht, weil er ab Beginn der 1990er-Jahre versuchte, im populär werdenden HipHop Fuß zu fassen. Wie fast alle Künstler des Genres glaubte er, dass nur ein stark maskulines Image funktioniert. Mit dem „Diamonds and Pearls“-Album gebar er sich als Anführer einer Rap-Gang, richtete sein Mikrofon nun auf Frauen, und das Mikrofon war wie eine Pistole geformt.


Kiss: Ace Frehleys erste Begegnung mit Prince war „unangenehm“

Es ist doch irgendwie beruhigend, dass selbst Musiker manchmal peinlich berührt sind, wenn sie sich zum ersten Mal in echt begegnen. So ging es zumindest Ace Frehley, als dieser Prince einmal persönlich auf einer Party traf. Die große, kleine Stil-Ikone Obwohl der Kiss-Gitarrist wenig Berührungspunkte mit Prince hatte, hegte er stets eine große Bewunderung für ihn. „Man wusste sofort, dass es Prince war“, sagte Frehley der Seite „Ultimate Prince“. Er sei einfach unverwechselbar gewesen: „Die Art, wie er sang, und die Art, wie er Songs zusammenstellte, seine Produktion. Es war durch und durch Prince. Er hatte seinen eigenen Stil, und…
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