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Kritik: Prince „The Beautiful Ones“ – Skizzen eines Lebens

„Dies ist der Blick aus meiner Gefängniszelle“, schrieb Prince unter ein Foto, „als ich meinen ersten Albumvertrag unte­r­zeichnete.“ Im Juli 1977 war das, der Neuankömmling aus Minneapolis genoss, wie auf dem Bild zu sehen, einen durchaus schönen Ausblick im Sheraton-Hotel in Los Angeles. Für seinen schwarzen Humor war der Musiker bekannt. Hier aber wird auch deutlich, wie sehr er schon als 19-Jähriger befürchtet haben muss, dass die Plattenfirma versuchen wird, sein Genie einzuhegen. Der Kampf um Autonomie würde sein Künstlerdasein prägen.

Dieses und weitere Motive sind in „The Beautiful Ones“ versammelt, einem lediglich aus Fragmenten be­stehenden Lebensbericht. Prince starb vor der Fertigstellung seiner Autobiografie – er begann sein Werk im Februar 2016, gerade mal zwei Monate vor seinem Tod. Der Verlag und sein Ko-­Autor Dan Piepenbring (den Prince zuvor nicht ­kannte – der damals 29-jährige Journalist bewarb sich per Fan-Brief um den Job an seiner Seite) wollten dennoch eine Veröffentlichung. Das Ergebnis besteht aus vier Teilen: einer Einleitung von Adlatus Piepenbring; Prince’ Memoiren, basierend auf 28 handschriftlich verfassten Seiten über seine Kindheit und Jugend; ­einer Foto-und-Skizzen-Strecke aus der Privatsammlung sowie Songtexten und dem Drehbuchentwurf zu „Purple Rain“.

„The Beautiful Ones“: schrill, aber unbefriedigend

Es ist also ein, wie könnte es unter den Umständen anders sein, schrilles, aber am Ende unbefriedigendes Buch geworden. Wie ein bebilderter Reader. Prince war ein schüchterner Ironiker, ein knapper Kommentator – kein Geschichtenerzähler. Seine Oneliner waren legendär, aber für ausdauernde, sinnstiftende Analysen war er nicht bekannt. Prince arbeitete auf kurzen Distanzen, nach Bauchgefühl, aktuelle Projekte langweilten ihn schnell. Er war ein Intuitions-Künstler.

Den Erinnerungen ist das anzumerken. Stärkere Passagen sind jene der flüchtigen Sinneseindrücke, wie seine Liebe zur Comicfigur Superman, die Schönheit der Mutter vor dem Schminkspiegel oder der erste Kuss – alles auch wie geschaffen für Gags auf ei­gene Kosten. Prince gelingt die nahezu cineastische Skizze eines Moments, als er an der Highschool die Spindtür schließt und plötzlich seine Angebetete neben ihm steht – „wie aus einen John-Hughes-Film“.

Aber ausgerechnet die Beschreibungen seiner Musik sind unbeholfen. Über „Do Me, Baby“ urteilt er per Fußnote: „Mit diesem Song habe ich die R&B-Balladenform für die Achtziger aktualisiert.“ „Balladenform“ – „aktualisiert“? Erste erotische Gedanken wiederum bezeichnet er abstrakt als „Geburt der physischen Fantasie“. Vielleicht auch Ergebnis einer schwachen Übersetzung.

Nun hat Prince seine Memoiren nicht redigieren können, der Verlag transkribierte Notizen. Wie Dan Piepenbring schreibt, habe Prince „The Beautiful Ones“ nicht nur als Autobiografie geplant, sondern auch als Buch, „das uns alle verändern würde“. Er wollte ein Werk aufsetzen, „das den Rassismus aus der Welt schafft“. Er gedachte die Sklavengeschichte der Afroamerikaner mit jenen miserablen Bedingungen zu verknüpfen, unter denen Schwarze für Plattenfirmen arbeiten. Da Prince chronologisch vorging, konnte er zu diesem Kapitel nicht mehr kommen – die Einflussnahmen seines Labels, hinter denen er Rassismus vermutete, setzten nach „Purple Rain“ 1984 ein. Seine persönlichen Betrachtungen jener Zeit, seine Gedanken zum Rassismus nahm er mit ins Grab.

„The Beautiful Ones“ hält auch damit jene Aura des Uner–gründlichen, die Prince umgab, aufrecht. Piepenbrings Sorge, dass eine Autobiografie das Mysterium des Künstlers zerstören könnte, be­wahrheitet sich nun natürlich nicht. Selbst die erstmals veröffentlichten Bearbeitungen der Songtexte, die Durchstreichungen und Ergänzungen, erscheinen wie mit der Feder geschwungen statt mit dem Lineal arretiert. Bei Prince wurden Zettel zu vielfarbigen Kunstwerken.

Ein wenig surreal wird Prince für immer bleiben. Für das Buch stellte er seinen Personal­ausweis zur Verfügung. Das Foto mit der Frontal­aufnahme seines Gesichts wurde aber nicht fürs Amt gemacht – es ist ein nicht verwendetes Covermotiv für das Album „Parade“.

Ach Prince.

Random House

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