Reale Kunst und die große weite Welt: So war das Reeperbahn Festival 2015


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Vom 23. bis zum 26. September hat die berühmteste Hamburger Meile sich selbst gefeiert – und zur zehnten Ausgabe des Reeperbahn Festivals einige Gäste geladen, die den zehnten Geburtstag im Stadtteil St.Pauli zusammen mit allen Nachtschwärmern gefeiert haben, die sowieso auf der Straße unterwegs waren. 30.000 Leute konnten in fast alle Clubs auf der Reeperbahn und ein paar Außenstellen in der Sternschanze zu 400 Konzerten gehen, um dem Festival ein Fest zu bescheren, das man so nicht häufig erlebt – und einem natürlichen Chaos durch die Entropie seiner Gäste gleich kommt.

Wenn man von der U-Bahn ausgespuckt wird und über die Kreuzung in Richtung Reeperbahn geht, muss man erst einmal mit dem Wahnsinn klar kommen, der einem begegnet. Überall sind Menschen, aus jeder Ecke kommt Musik, die Prostituierten stehen in Moonboots auf dem kalten Asphalt und sich die Beine in den Bauch, während sie auf ihre Freier warten. Und wenn man einmal still steht, kann man Eines ganz klar sehen: Die angeheiterten Feiernden zirkulierten immer wieder um den Spielbudenplatz, Zentrum und Rettungsinsel im Wirbel des Wahnsinns, auf der sich die Menschen gern eine Pause gönnen – nur, um nach kurzer Zeit wieder aufs Karussell aufzuspringen und eine neue Runde zu drehen.

Verzerrt und harmonisch, wo es eben sein muss

So kann es passieren, dass man sich im Rock Café St. Pauli zum Konzert der Band Spidergawd wiederfindet und, nein, nicht zu 80er-Hair-Metal (der Band-Name der Musiker aus Norwegen kann das ja durchaus als Assoziation hervorrufen), sondern einer Mischung aus Stoner- und Hard-Rock irgendwo zwischen Kyuss, Motörhead und Eagles Of Death Metal. Die Atmosphäre ist von Hopfen und Malz geschwängert, auch wenn der Weg zur Bar schwer ist, weil der Club bis oben hin voll mit Menschen ist, die am frühen Abend ihr erstes Konzert sehen wollen. Der Schlagzeuger (Kenneth Kapstad) und Bassist (Bent Sæther) spielen eigentlich zusammen bei Motorpsycho ihre psychedelisch-noisigen Stärken aus – heute Abend aber in einer durchgängig harten Rock-Musik, wo Dynamik noch laut bedeutet, Energie das Maß aller Dinge ist und der Bass gern eine Gitarre wäre und die Gitarre ein Bass: Verzerrt und harmonisch, wo es eben sein muss. Einen Schicksalsschlag gab es aber bei diesem Konzert: Nachdem sich eine norwegische Airline entschieden hatte, das Instrument des Saxophonisten der Band beim Transport kaputt gehen zu lassen, muss die Gruppe ohne ihn auskommen. Schade eigentlich – das Publikum hätte sich bestimmt gefreut, noch etwas zu hören, das durch die Kanäle einer Zerre gejagt wurde. The Sky’s the Limit.



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