Aerosmith
„Aerosmith“
Capitol/Universal (VÖ: 20.3.)
Klanglich optimierte Deluxe-Edition des Debütalbums.
Am 5. Januar 1973 schickte Columbia Records zwei Debütalben ins Rennen, die beide die kommerziellen Erwartungen vorerst nicht erfüllen sollten. Eins stammte von einem jungen Hoffnungsträger aus New Jersey, das andere von Aerosmith, fünf Bostoner Lokalmatadoren. Im August 1972 hatten ihre Manager zu einem Gig im Max’s Kansas City in New York hochrangige Vertreter namhafter Plattenfirmen eingeladen. Der von Atlantic Records fragte sich, wieso er Epigonen verpflichten sollte, wo man doch Led Zeppelin selbst unter Vertrag hatte. Columbia hingegen biss an. Nur knauserte man für die erste LP noch beim Produktions und Werbebudget. Und auch der ausgewählte Produzent war nicht geeignet, den völlig unerfahrenen Heißspornen hilfreich unter die Arme zu greifen.
Nach der Veröffentlichung zeigte sich die Band nicht nur vom kostengünstig zusammengeschusterten Cover enttäuscht, sondern auch davon, dass die Platte nicht im ROLLING STONE besprochen wurde, derweil Lester Bangs für Springsteens Debüt lobende Worte fand. Nun mussten es die Konzerte der eilig angesetzten Promo Tour richten. Das vom 23. April im Paul’s Mall, einem Club in Boston, wurde fürs Radio mitgeschnitten und ist jetzt Teil der „Legendary Deluxe Edition“. Mit Ausnahme ausgerechnet der Singleauskopplung „Dream On“ präsentiert die Band sämtliche Tracks des Albums plus einige Coverversionen in der selbstbewusst zur Schau gestellten Gewissheit, für weit Größeres bestimmt zu sein. Neben den obligaten Outtakes und einer remasterten Version gibt es zudem einen Remix des Originals. Es braucht kein geschultes Ohr, um zu erkennen, dass der allerhand geraderückt, was jahrzehntelang das klangliche Bild getrübt hatte. So faszinierend wie längst überfällig!