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Barbra Streisand Walls


Man hatte sich an diese Erinnerungsalben gewöhnt: Die Streisand singt Lieder aus Filmen mit Filmschauspielern, die Streisand singt Lieder mit Texten, die Marilyn und Alan Bergman für sie geschrieben haben, die Streisand singt Songs aus Broadway-Musicals, die Streisand singt berühmte Songs von anderen, die übrig geblieben waren, die Streisand kehrt ins Village Vanguard zurück, den Kellerclub in New York City, in dem sie einst ­begonnen hat, und singt für 70 Zuhörer, darunter die Familie Clinton.

„Walls“ sei das erste Album „mit neuen Songs“ seit 2005, heißt es, also seit „Guilty Pleasures“, der zweiten Platte mit Barry Gibb. Drei Songs hat Barbra Streisand selbst geschrieben. Alles klingt himmelwärts, elegisch und weltumarmend, erlesen orchestriert und produziert von Streisands Vertrauensmann Walter Afanasieff (und den ebenfalls prämierten Goldrand-Produzenten David Foster und John Shanks).

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Der Gesang strahlt und schmettert wie je, jetzt um eine fein-­heisere, ja rauchige Note ergänzt. Zu gezupfter Gitarre und in „Sketches Of Spain“-Stimmung fordert sie in „What’s On My Mind“ eine neue Konversation der Generationen, besingt schmetternd „Lady Liberty“ und „Better Angels“, und „Don’t Lie To Me“ ist der Anschluss an die wuchtig-­hysterischen Pro-Tools-Ermächtigungslieder der Leidensdiven, samt Zitat von „Enough Is Enough“. „Walls“ und „Love’s Never Wrong“ sind Ehrfurcht gebietende Streisand-­Schmachtfetzen, bei denen sie theatralisch alle Register zieht. Burt Bacharachs „What The World Needs Now Is Love“ zerdehnt und zerstückt sie als eine Art Medley.

Nur Barbra Streisand gelingt der bizarre Kitsch-Overkill, „Imagine“ und „What A Beautiful World“ so zusammenzuführen, dass es wie ein Lied klingt – und zwar wie ein Lied, das die Streisand seit 50 ­Jahren singt. Ein Lied, das sie tatsächlich seit 50 Jahren (und zum Abschluss ihrer Konzerte) singt, beschließt das Album: „Happy Days Are Here Again“, die Hymne der Demokratischen Partei, beschwörender und bestrickender denn je.

La Streisand. Tusch, Ova­tion, wohlige Schauer.

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Die besten Konzeptalben aller Zeiten: The Who - „Quadrophenia“

Der alles überwältigende Song kommt am Schluss. Regen prasselt, als die ersten Klavierakkorde zu „Love, Reign O’er Me“ einsetzen, dieser Sehnsuchtshymne adoleszenter Jugendlicher, zu der im Jahre später gedrehten Kinofilm (mit Sting!) der Held, ein Mod namens Jimmy, von der Klippe ins Open End springt und sein Scooter zerschellt, während er auf dem Doppelalbum mit einem Bötchen aufs Meer hinausrudert, was natürlich ein bisschen weniger offensichtlich ist. Für „Quadrophenia“ sprechen vor allem drei Argumente: Die Mod-Kultur, die schönste Jugendkultur aller Zeiten; ihre Musik (Northern Soul) war so hitzig wie ihre Tänze elegant und ihr Styling (Parkas, Ponys, enge Anzüge, Mädchen…
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