Blur The Magic Whip


Warner

Sie klingen wieder wie Mitte der Neunziger – bedienen sich beim Realismus der Kinks, beim Genie von Syd Barrett und dem Spaß, den sie einst gemeinsam hatten. „Lonesome Street“ heißt das Eröffnungsstück des ersten richtigen Blur-Albums seit „13“ von 1999 („Think Tank“ war 2003 ja eher ein erstes Damon-Albarn-Solowerk). Auch das garagige „Go Out“, das zackige „I Broadcast“ und das Ringo-Starr-eske „Ong Ong“ erinnern an die Zeit, als sie die beste Band des Königreichs waren. Damals waren Gitarrenbands (mal wieder) der letzte Schrei. Momentan liegt dieses Vier-Jungs-Gitarre-Bass-Schlagzeug-Ding gut eingemottet auf dem Dachboden der Geschichte.

Auch Blur fallen trotz einiger Reminiszenzen nicht in die alten Muster und Spielweisen zurück. An „The Magic Whip“ arbeiteten sie nicht wie eine gute alte Band Seite an Seite, sondern nach einer ersten gemeinsamen Rumdaddel-Session in einem Studio in Hong Kong zeitlich und räumlich getrennt. Am Ende scheint der verspielte, kunstwillige Pop-Artist mit der Bowie-Maske, zu dem Albarn sich entwickelt hat, viele der Tracks zu dominieren. „New World Towers“, „Thought I Was A Spaceman“ und „Pyongyang“ etwa haben eine ähnlich elegische Grundstimmung wie sein Solowerk „Everyday Robots“ vom vergangenen Jahr, doch vor allem Coxons Fills, Mini-Riffs und Anti-Soli, die sich raffiniert und geradezu empathisch in Orgel-, Synthesizer- und Laptopwerk einfügen, machen einen Unterschied ums Ganze, geben dem Album Erdung, Kontur und Drive.

„The Magic Whip“ reflektiert die Bedingungen seiner Entstehung, handelt von der Annäherung in einem kleinen Studio irgendwo mitten in der Megacity Hong Kong, von Fremdheit und Freundschaft, von Distanz, Dislokation und Dialog. „Back in the summertime when we were more like brothers“, erinnert sich Albarn im anrührenden „My Terracotta Heart“, „but that was years ago.“ Die alten Blur sind Geschichte, „The Magic Whip“ ist ein wundervoll atmosphärisches Comeback in neuer Gestalt.


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