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Bob Dylan Bob Dylan’s Theme Time Radio Hour Vol. 3


Ace / Soulfood 05. November 2010

Das war – unvermutet, irgendwo genial – der bestmögliche Einstieg überhaupt, als Bob Dylan am 8. Oktober 2008 die dritte Serie seiner „Theme Time Radio Hour“-Shows startete: Drei Wochen nach der Pleite der Lehman Brothers Bank moderierte er die ersten beiden Sendungen – zum Thema Geld. Die Drifters sangen „Money Honey“, die Clovers „Your Cash Ain’t Nothing But Trash“, Van Morrison „Blue Money“ und Elvis Costello „Clean Money“. Das weise „You Can’t Take It With You“ stand am Ende beider Sendungen – in den Aufnahmen von Jesse Price bzw. Johnny „Guitar“ Watson. Der naheliegende Evergreen „How Can A Poor Man Stand Such Times And Live“ fehlte. Überhaupt widmete Dylan nicht eine der hundert Sendungen dem Thema Armut, obwohl ihm dazu sicher reichlich Songs eingefallen wären. Eine vierte Saison, in der er bewegendes Liedgut zu dieser menschlichen Befindlichkeit hätte vorstellen können, gab es nicht. Fast wäre aus anderweitigen finanziellen Erwägungen schon nach der zweiten Serie Schluss gewesen. 

Die Auswahl, die man bei Chrome Dreams für die eigenen 2-CD-Sets traf, unterstellt auch bei Folge 3, dass Dylan bei seinen Sendungen richtig „archäologisch“ und schon leicht manisch fixiert auf Aufnahmen der 30er- bis mittleren 50er-Jahre war. Copyright-geschützte und damit tantiemenpflichtige Aufnahmen spielte Dylan im Lauf der Zeit zwar etwas seltener. Aber deswegen sperrte er die – anders als besagte Plattenfirma – nicht aus seiner Auslese komplett aus.

Seinem schon ziemlich enzyklopädischen Wissen in Sachen populärer Song zum Trotz konnte bei der Präsentation von akademischer Beflissenheit keine Rede sein. Die absolut unorthodoxe Mischung aus Rhythm & Blues und Calypso, Rockabilly und Jump Blues, Bebop und Country Music, Jazz, Reggae usw. garnierte er mit so hintergründigen wie launigen und auch mal frivolen Ankündigungen. Die großen Idole seiner Jugend wie Little Richard und Johnny Cash fehlten selbstredend nicht. Ikonen der amerikanischen Populärkultur wie Billie Holiday und Fred Astaire, Miles Davis und Ray Charles, Patsy Cline, Hank Williams und Nat „King“ Cole auch nicht. Gern schmuggelte er immer wieder persönliche Favoriten ein – Aufnahmen von Geraint Watkins, den McGarrigle- Schwestern, Nic Jones und manchen eher obskuren Folkies. Nur französische Kollegen seiner Zunft mochte er nicht präsentieren – also Brinsley Schwarz und Nick Lowe mehrfach ja, Brassens, Brel oder Aznavour nicht.

Obwohl man sich bei Chrome Dreams der Mitarbeit von „Isis“-Chefredakteur Derek Barker versicherte (er schrieb zu jeder der 52 Aufnahmen ein paar kommentierende Zeilen), ist es dem Anspruch „The Best Of The Third Series“ (***) zum Trotz keine so recht befriedigende Nachlese. Ehrgeiziger und aufwendiger geriet vergleichsweise das dritte von Ace Records präsentierte Set, das auch manche exzentrischeren Vorlieben des Meisters dokumentiert – die um vieles umfangreicheren Liner Notes sowieso. Das endet denn auch nicht mit Woody Guthries „So Long It’s Been Good To Know You (Dirty Old Dust)“, sondern mit der Originalaufnahme von „Happy Trails“ von Roy Rogers und Ehefrau Dale Evans. Das passt. Den Spaß, die ganzen Sendungen komplett mit gut acht Gigabyte runterzuladen, kann man danach ja immer noch näher in Erwägung ziehen.    


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