Toggle menu

Rolling Stone

Back to top Share
Artikel teilen
  • Facebook
  • Twitter
  • Google+
  • Whatsapp
  • Email
Search

Bob Dylan The 1966 Live Recordings

Kommentieren
0
E-Mail
Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email Kommentare
von

Mitte der Sechziger stand Bob Dylan gemeinsam mit den Beatles und den Beach Boys auf dem Gipfel der populären Musik. Und da er im Gegensatz zu seinen Mitbesteigern kein Studiozauberer, sondern ein Vortragskünstler war und ist, findet sich die Essenz seines Werkes in den abendlichen Ritualen auf den Bühnen dieser Welt. Nun bringt Sony, um nach 50 Jahren das Copyright zu erneuern, alle Aufnahmen seines Bühnenschaffens von 1966 komplett in einer für den Umfang preisgünstigen Box heraus: 36 CDs in einfachen Papphüllen plus Begleitheftchen mit Linernotes von Clinton Heylin.

Die Aufnahmen stammen von insgesamt 23 Konzerten, die Dylan im Frühjahr des Jahres spielte, 13 gibt es mehr oder weniger vollständig, dreieinhalb in seinerzeit von der CBS für ein geplantes Live-Album aufgenommenen Fassungen (eines, aus der Free Trade Hall in Manchester, das die Legende in die Royal Albert Hall verlegte, ist bereits als „Live 1966 – The ,Royal Albert Hall‘ Concert“ bekannt), fünf sind nur durch mies klingende Mitschnitte aus dem Publikum dokumentiert, der Großteil jedoch in leicht dumpf und trocken klingenden Soundboard-Aufnahmen, bei denen der Gesang, wie es damals bei den Konzerten über die Beschallungsanlagen zu hören war, nach vorn gemischt ist.

Weltkulturerbe

Die Songs sind an jedem Abend mit wenigen Ausnahmen die gleichen: sieben Solodarbietungen und acht Stücke mit elektrifizierter Band (den Hawks mit Mickey Jones bzw., zu Beginn der Tour, Sandy Konikoff am Schlagzeug). Auch die Dramaturgie der Abende ähnelt sich. In der ersten Hälfte lauscht das Publikum bedächtig Dylans in Tempo und Betonung stark variierendem, geradezu hypnotischem Vortrag, in der zweiten machen Folkpuristen ihrem Unmut über die elektrifizierte Bandbegleitung Luft. Die Musiker reagieren auf diese negative Energie, ihr Sound wird von Abend zu Abend schärfer und mächtiger, Ansagen und Gesang werden bissiger.

Die Aufnahme des ersten Konzerts in London ist die neben dem Manchester-Mitschnitt klangtechnisch beste der Tour und wird als „The Real Royal Albert Hall Concert“ auch auf Doppel-CD/LP veröffentlicht. Doch das Juwel der Box ist die Show vom Tag danach am selben Ort, das letzte Konzert der bis auf Weiteres letzten Tour. Dylan ist am Ende seiner Kräfte und Nerven, wirkt fragil, versucht sich zu erklären, bis die Zwischenrufe zu laut werden: „We just play our music and leave and you can go out and read some books“, spottet er. Nach der Verabschiedung („And believe me, we enjoyed every minute of being here.“), entfachen die Musiker mit „Like A Rolling Stone“ einen Orkan, wie es ihn in der Geschichte des Rock’n’Roll vorher und nachher nicht gegeben hat. Weltkulturerbe. (Columbia/Sony)

Kommentieren
0
E-Mail

Nächster Artikel

  • Metallica - „Hardwired…To Self-Destruct“ (18. November)
    Metallica Hardwired … To Self-Destruct
    23. November 2016

    Metallica heißen nicht Black Sabbath und beziehen aus der Ruhe keine Kraft – sie wälzen die eiserne Kugel nur uninspiriert von hier nach dort und dabei verpufft die ganze schöne Energie. Aber die verspielten, melodiebeseelten Intros überzeugen.

Vorheriger Artikel
  • Duran Duran - Notorious (Special Edition)
    Duran Duran Notorious

    Von Poppern, die keine Funk-Musiker werden durften. Wie "Notorious" Duran Duran ins Schlittern brachte.

Kommentar schreiben