Booker T – Potato Hole


Anti (Indigo)


von

Ein knappes Motiv auf der Hammond, gekreuzt von dröhnenden Riffs und Beckenschlägen, bis die Gitarre allein den Taktstock schwingt -und würde der Drummer den einsetzenden Beat dann noch einen Tick mehr „verschleppen“ und man sich nicht doch ein wenig wundern, dass selbst bei 1:30 noch niemand angefangen hat, von Hölle, Highway und Hormonstau zu schreien, dann könnte man den Einstieg „Pound It Out“ glatt für ein AC/DC-Outttake mit dominantem Gast-Organisten halten.

Es ist aber „nur“ das erste Solo-Lebenszeichen von Booker T. Jones seit einer kleinen Ewigkeit. Dabei liegt die pikante Note von „Potato Hole“ weniger darin, dass der Mann, der 1962 ff. mit seinen MG’s als Stax-Hausband den Memphis-Soul samt Instrumental-Hits („Green Onions“) erfand, auf seine alten Tage noch schwer das Rocken anfängt (und damit auf „Native New Yorker“ und „Warped Sister“ auch noch weitermacht).

Nein, historisch betrachtet ist eher delikat, dass Jones nun quasi gemeinsame Sache mit der alten Konkurrenz macht. Denn David Hood, einst Bassist der Muscle Shoals Rhythm Section im benachbarten Alabama, die auch ihren blueprint of soul hinterlassen hat, ist bekanntlich der Papa von Patterson Hood. Dessen Drive-By Truckers sind hier als Backing-Band allemal stoisch und stilsicher genug, um Jones‘ wertkonservativen Instrumentaltörn auf Kurs zu halten, der mit einem flotten Ritt auf Outkasts Hit „Hey Ya“ schon seine hipste Note erreicht.

Habe ich schon erwähnt, dass Neil Young, der seit dem 91er-Dylan-Tribute-Konzert zu Bookers Buddies gehört, Gitarre spielt? Man muss das schon erwähnen, denn zu hören ist es nur selten so dezidiert wie in den prototypischen Auf- und Abschwüngen von „Native New Yorker“. Während das ähnlich in Midtempo-Rock gelagerte „She Breaks“ klingt, als würde jeden Moment Mick Jagger anfangen „Beast Of Burden“ zu singen.

Aber hier fängt ja niemand an zu singen, wenn Booker T. seine Hammond zwischen Groove und Gefühl justiert, von Tom Waits‚ Rhythmus-Esel „Get Behind The Mule“ zum melancholischen Country-Vibe von „Reunion Time“, vom funky Titelsong, der tief nach dem ganz alten Süden gräbt, zum Ausflug in die „Space City“ der Drive-By Truckers. Schon schön, mal wieder diese alte Orgel mit (mehr oder weniger) neuen Songs zu hören.


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