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Brandon Flowers The Desired Effect

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Brandon Flowers - The Desired Effect
Foto: Universal

Brandon Flowers ist ein Verkäufer, und sein Geschäft versteht er. Das zweite Soloalbum des Killers-Sängers heißt „The Desired Effect“. Er macht keinen Hehl daraus, dass er immer auf maximale Wirkung aus ist, und dabei – das ist vielleicht sein größtes Gut – scheren ihn die gängigen Grenzen des guten Geschmacks überhaupt nicht. Gleich zum Auftakt singt er vom Highway und von einer schwarzen Limousine, von dunklen Ecken und ungesehenen Ländern. Das Stück hat Bläserfanfaren, „Whoa-whoa-hey-ohs“ und einen mächtigen Chorus, er verspricht dem begehrten Mädchen voller Überzeugung: „Dreams Come True“!

Es ist Flowers’ wenig subtile Version von „Thunder Road“ – mit solcher Inbrunst gesungen, dass man nicht darüber lachen will. Das ist sein zweites großes Kapital: die schwelgerische Stimme, die Sehnsucht kennt, aber keine Zweifel.

Flowers ist ein Getriebener. Ein Mormone im Sündenpfuhl Las Vegas, der glaubt, dass Mitt Romney ein großartiger US-Präsident geworden wäre. Er kann nicht still sitzen, also ging er, als der Rest der Killers nach der letzten Welttournee wieder mal Pause machen wollte, mit Produzent Ariel Rechtshaid (Vampire Weekend, Charli XCX) in sein Battle Born Studio in Nevada.

Brandon Flowers der Alphaville-Fan

Er lud sich verschiedene Musiker ein, darunter Schlagzeugerin Danielle Haim und Keyboarder Bruce Hornsby. Seine Liebe zu den 80er-Jahren tritt diesmal noch deutlicher hervor. Bei „I Can Change“ sampelt der bekennende Alphaville-Fan tatsächlich „Smalltown Boy“ von Bronski Beat, und wer aufpasst, kann auch Pet Shop Boy Neil Tennant eine Zeile singen hören.

Die kitschigen Keyboardschleifen von „Can’t Deny My Love“ und „Lonely Town“, der aufsteigende Chor bei „Still Want You“, der Breitwandsound von „Between Me And You“, die Schunkelei in „Diggin’ Up The Heart“, schließlich der freundliche Fatalismus der Ballade „The Way It’s Always Been“: Alles hier ist auf Überwältigung ausgelegt, und wer je Mainstream-Pop-Rock mochte, kann sich den herrlichen Melodien und herzigen Versen kaum entziehen.

Man will sofort mittaumeln, aber wie sangen schon Duran Duran? „Every little thing the reflex does/ Must be answered with a question mark.“ Wenn man sich fast schon sattgehört hat, legt Flowers immer noch eine Schippe drauf – und so fragt man sich am Ende doch, ob der desired effect lange anhalten wird. In Las Vegas ist ja vieles nur auf Sand gebaut.

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