Neue Podcast-Folge: „Die Streifenpolizei“ über die Favoriten der Oscar-Verleihung

Cat Power Wanderer


Chan Marshall, die seit Mitte der Neunziger unter dem Namen Cat Power schreibt und singt und Musik veröffentlicht, ist seit ihrem Debüt, „Dear Sir“ (1995), eine Art Indie-Billie-­Holiday. Ja, das klingt vielleicht ein wenig übers Ziel hinausgeschossen und zudem paradox, denn mit „indie“ assoziiert man „weiß“ und „Mittelschicht“ (und das trifft in diesem Fall auch zu), doch die in Atlanta/Georgia geborene Marshall ist eben auch eine Schmerzensfrau, Songgöttin und Tragödin sondergleichen, und die Musik ihrer Heimat, des amerikanischen Südens, stand von Anfang an im Mittelpunkt ihrer Kunst: Blues, Folk, Soul, Country, Gospel. Anfangs roh, unbehauen und stone-washed, später verfeinert und vintage.

Nach sechs Jahren Wartezeit schreibt „Wanderer“, eine impressionistische Folk-Blues-Platte, diese Entwicklung nun fort. Das Album erzählt von einer Reise, oder besser es erzählt von der Erinnerung an eine Flucht. Zu dritt: Mann und Frau und Jesus. Romantisch und amerikanisch wie bei ­Bruce Springsteen steht irgendwann am Straßenrand die Tragödie und hält den Daumen raus. Die Lieder erzählen von Täuschungen und Trennungen, von Wehmut und Weltschmerz, von Herkunft und der Weite des Horizonts. Die Erzählung, der Drift, der Hauch der Stimme treiben sie voran, die Instrumente illustrieren/orches­trieren sachte und minimalistisch, tupfen, stricheln, rauen auf.

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Auf „Woman“ hört man im Hintergrund die sich als Vamp inszenierende L.A.-noir-Fantasie Lana Del Rey singen. Marshall ist hier die Schamanin, die sich von allen männlichen Zuschreibungen und Machtstrategien befreit, aus ihrem Körper schlüpft und flieht: „A cage is like a weapon, a tool for me/ You think I’m like the other ones/ Well, my cage is a weapon, it’s perfect for me/ It’s the one suit they seem to not see.“ Del Rey bleibt als leere, perfekt geschminkte Hülle zurück.

Kooperation

„Wanderer“ ist ein Blick auf den Schmerz aus einer sicheren Entfernung. Chan Marshall ist weitergezogen: „I am going/ Me voy, me voy/ Good good is gone.“ Wir folgen ihr überallhin. (Domino)


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