Charles Jackson: Das verlorene Wochenende (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Charles Jackson Das verlorene Wochenende


Dörlemann


von

Wer sich vor der Lektüre – in Erwartung eines romantisierenden Trinkerromans – bereits genüsslich ein Fläschchen geöffnet hat, wird nach nur wenigen Seiten garantiert schlagartig nüchtern. Schwitzend und kaputt wird der Leser nach durchwachter Nacht den Roman zuklappen. Fünf furchtbare Tage wird er mit dem gescheiterten Schriftsteller, dem heillosen Alkoholiker Don, im New York der 30er-Jahre durchlitten haben, taumelnd zwischen Hochmut und Suizidgedanken, zwischen Wohlbefinden und Delirium. Billy Wilder hat aus diesem harten Stoff gleich nach Erscheinen 1944 eine oscarprämierte Adaption geschaffen: „Ich wollte den allerersten Film drehen, in dem ein Betrunkener einmal keine Witzfigur ist“, soll der Regisseur gesagt haben. Das ist ihm natürlich gelungen, gleichwohl Hollywood ein optimistisches Ende einforderte. Dabei macht es Charles Jacksons – wunderbar von Bettina Ababarnell neu übersetztes – Meisterwerk unmissverständlich klar: „Heilung gibt es nicht. Es wird dich plagen, solange du lebst (und wie lange wird das sein, bei deinem Lebenswandel?).“ (Dörlemann, 24,90 Euro)