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Courtney Barnett Sometimes I Sit And Think, Sometimes I Just Sit

Marathon/Kobalt/Rough Trade

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Foto: Marathon/Kobalt/Rough Trade

In den Neunzigern ging mal eine Theorie um, nach der es die Jahre zwischen 614 und 911 nach Christus nicht gegeben haben soll. Die Australierin Courtney Barnett spielte auf ihren ersten beiden, hierzulande auf einer Platte mit dem Titel „A Sea Of Split Peas“ zusammengefassten EPs eine Musik, die klang, als hätte es den größten Teil der Neunziger und die folgenden Nullerjahre nicht gegeben. Nur so scheinen jedenfalls der Aplomb und die euphorisierende Wirkung dieses grob gewirkten, ja, man muss es so nennen: Indie-Rock erklärbar. Wie bei den frühen Pavement hörte man hier eine Liebe zum Mittsechziger Dylan, zur vierten Velvet-Underground-Platte und zum jungen Jonathan Richman sowie eine gewisse Antriebslosigkeit, ein Talent fürs Geschichtenerzählen, ein Vorstadtleben und eine unbestreitbare Intelligenz heraus. Das kam überall gut an und bestätigt die Annahme, dass solche historischen Amnesien im Pop manchmal äußerst erfrischend sein können. Auf dem ersten richtigen Album, so der fromme Wunsch, möge Courtney Barnett genau so weitermachen. Die Zeichen stehen auch ganz gut; kein hipper Retro-Produzent in Sicht, kein Gastspiel von Johnny Marr oder sonst einem alten Indie-Gott und ein Titel wie ein Schulterzucken: „Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit“. Yeah.

Die Musik ist hier wieder schrammelig und repetitiv genug, um als lässiger Träger herrlicher Geschichten zu dienen. Barnett erzählt mit geradezu raydaviesscher Lakonie von einem jungen Mann, den auf dem Weg ins Büro der Horror vor dem Alltag überfällt, von deprimierenden Vorstädten und einsamen Nächten in New York, stellt Überlegungen zu Biogemüse und Robbensterben an, reflektiert über das Nichtstun und das Zuhausebleiben und feuert eine geradezu dylaneske Unabhängigkeitserklärung ab: „Put me on a pedestal and I’ll only disappoint you/ Tell me I’m exceptional, I promise to exploit you/ Give me all your money and I’ll make some origami, honey/ I think you’re a joke, but I don’t find you very funny.“ Oft ist Courtney Barnett so gut, dass man fast bezweifeln muss, dass es sie wirklich gibt.

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