CSS La Liberación


V2/Universal


von

Über die ersten beiden Alben der brasilianischen Band Cansei de Ser Sexy wurde viel und aufgeregt geschrieben: dass es sich um brasilianische Designerinnen, Kunst-, und Film-Studentinnen handelt – eine tropische Variante der Chicks On Speed – denen ihre geringe musikalische Erfahrung kein bisschen schadet, nicht zuletzt deshalb, weil der einzige Mann und Musiker im Team die Strippen zieht. CSS wurden von den Rating-Agenturen des guten Geschmacks als heiß und hip bewertet, der Beifall und die Remixe von DJ Diplo und Bondo Do Role taten ein Übriges.

„La Liberatión“ ist nun das bisher poppigste Album der durch den Weggang von Bassistin Ira zum Quintett geschrumpften Band. Ein Befreiungsversuch aus der Umarmung der Hipster Nation, eine bewusste Hinwendung zu einem radiotauglicheren Format. Das klingt jetzt vielleicht schlimmer, als es gemeint ist, denn natürlich sorgen Einflüsse wie das Label DFA, Le Tigre, Tom Tom Club und Blondie dafür, dass Pop hier immer noch einen überraschenden Zauber besitzt.

Auf „City Girl“ kombinieren CSS, dreckiges Analog-Synthie-Schnaufen mit einer lustigen Trompete und tollem Chorgesang. Der naive Girl-Rap von „Red Alert“, unterlegt mit einer Mischung aus Old-School-Beats und Achtziger-Funk-Spielereien (beigesteuert vom New Yorker Ratatat), ist vielleicht nicht neu, aber trotzdem toll. „Fuck Everything“ lässt musikalisch eine sanfte Riot-Grrrl-Attitüde aufblitzen. Am Ende des Songs, nach etwas mildem Lärm, meldet sich Sängerin Lovefoxx allerdings mit dem unnötigen Witzchen: „Hi, my name is Lovefoxx and I’m twelve years old. I like going to the pub with the gays. I like buying pencils and pens … and I like cookies.“ Dann lieber die karibische Fröhlichkeit von „Hits Me Like A Rock“, zu der auch der Gast Bobby Gillespie seinen Teil beiträgt.

„La Liberatión“  hat leider eine Tendenz zum wahllosen Umgang mit den einzelnen Komponenten: ein bisschen hiervon, ein bisschen davon. Das ergibt ein postmodernes Stückwerk, das immer noch unterhält und oft süffig ins Ohr geht. Einen zweiten Flickenteppich nach diesem Muster sollte sich die Band allerdings nicht leisten.

Beste Songs: „Red Alert“, „City Girl“