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D’Angelo And The Vanguard Black Messiah

RCA/Sony

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Foto: RCA/Sony

Als D’Angelo Ende Dezember sein drittes Album veröffentlichte, gelang ihm sozusagen ein doppelter Beyoncé. Denn nicht nur erschien „Black Messiah“ völlig überraschend – sondern auch satte 14 Jahre nach dem umjubelten Vorgänger, „Voodoo“.

Man möge den Titel nicht falsch verstehen, meinte D’Angelo dazu: „Es geht um uns alle. Jeder sollte versuchen, ein schwarzer Messias zu sein.“ Antrieb für die rasante Veröffentlichung, sagte er, sei der Schock über die Unruhen in Ferguson im November gewesen. Die Arbeit an „Black Messiah“ hatte sich wiederum aufgrund von Drogenproblemen und längeren Rückzügen ins Private hingezogen, mit denen D’Angelo im Jahr 2000 auf seinen plötzlichen Ruhm – sogar Kritikerpapst Robert Christgau hatte ihn zum „R&B Jesus“ ausgerufen – reagierte.

Schon 2007 tauchte dank Ahmir „Questlove“ Thompson „Really Love“ im Netz auf, das nun mit seiner trockenen, zärtlich melodischen Ausstattung der eingängigste Titel auf „Black Messiah“ ist. Questlove war als eine Art Konzertmeister der Soulquarians – eines losen Neo-Soul-Kollektivs aus Leuten wie D’Angelo, Erykah Badu und dem mittlerweile verstorbenen J Dilla – schon auf „Voodoo“ dabei. Und er wirkt auch hier wesentlich mit, neben Soulquarian-nahen Musikern wie dem damaligen Mixer Russell Elevado, Q-Tip, dem Bassisten Pino Palladino, Jazztrompeter Roy Hargrove und P-Funk-Größe Kendra Foster. Das Album klingt einerseits wie ein nahtloser Anschluss – und beweist andererseits die zeitlose Modernität der trotzig organischen Mischung aus Rock, jazzigem Soul, 70er-Funk und HipHop.

„Black Messiah“ ist dabei kein deutlich politisches Album. Aber es lebt im Sinne von Sly Stone, Marvin Gaye und Prince von der soulbegründenden Mischung aus säkularer Lust und spiritueller Hoffnung. Wie auf „Voodoo“ steht auch hier D’Angelos seidige, wundervoll verführerische Stimme nicht im Vordergrund. Sie tritt oft nur aus einem leitmotivisch strömenden, gelayerten Chor hervor, um sogleich wieder mit den Instrumenten in einem ultrafunky, präzise geschnittenen, mal körperlos feinen, mal muskulös suggestiven Organismus zu verschwimmen. Zugleich rau, brodelnd und elegant transparent schwappt, wogt und bebt es vor kantigen Gitarren, krispen Drums, dicken Bässen und farbsicheren Bläsern – als Beschwörung der Geschichte und der Gegenwart, sinnlich, dicht, geheimnisvoll.

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