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Kritik Youtube-Stream: Was taugen die Michael-Jackson-Konzerte 1988, 1992?

Als Reaktion auf die „Leaving Neverland“-Doku, in der Michael Jackson sexueller Missbrauch an zwei Jungen vorgeworfen wird, hat der Jackson-Clan zeitgleich zur US-Ausstrahlung des Films zwei ältere Konzerte des Musikers auf YouTube hochgeladen. Die Botschaft dahinter ist klar: Dies soll den Popstar auf der Höhe seiner Kunst zeigen – unantastbar, strahlend. Alle Vorwürfe würden an ihm abprallen, ob er noch unter uns weilt, oder nicht.

Leaving Neverland“ hat inzwischen auch einen deutschen Ausstrahlungstermin. 

1988 trat Jackson im Rahmen seiner „Bad“-Welttournee innerhalb von zwei Wochen siebenmal im Londoner Wembley-Stadion auf, mitgeschnitten (und später auf DVD veröffentlicht) wurde der dritte Abend am 16. Juli. Angeblich war die Nachfrage so groß, dass Jackson die Schüssel, in der 72.000 Zuschauer hineinpassten, zwanzig mal hätte ausverkaufen können.

Kooperation

Es gibt einige Gerüchte zu den London-Konzerten, zum Beispiel, dass Prinzessin Diana vergeblich hat darum bitten lassen, dass „Dirty Diana“ nicht gespielt wird – dabei hatte der Song mit ihr nichts zu tun. Sie und Charles, beide anwesend, saßen das nun also aus.

Der Mittschnitt von Gig Nummer drei markiert eine erstaunliche Entscheidung, denn an jenem Abend des 16. Juli wurde „The Way You Make Me Feel“ – ein Nummer-eins-Hit in den USA und vielleicht der beste „Bad“-Track – nicht aufgeführt, an anderen Abenden schon. Für die hier zu sehende Homevideo-Veröffentlichung muss demnach eine Darbietung aus einem anderen Konzert hinzugefügt worden sein.

Seine Interpretation eines Street-Ghetto-Looks aus Martin Scorseses „Bad“-Video übertrug Jackson auf die Bühne. Den ersten Kostümwechsel gibt es kurioserweise erst nach 45 Minuten, als Jackson für „Smooth Criminal“ in die Rolle des Gangsters und in ein neues Jackett schlüpft. Die rote „Beat It“-Lederjacke kommt natürlich auch noch, aber über den „Gruselfaktor“ der Geisterbahn-Werwolf-Maske bei „Thriller darf natürlich gestritten werden.

Bei „Bad“ holt Jackson Kinder auf die Bühne, von denen einige nacheinander vortanzen, Message: Der „King of Pop“ präsentiert den Straßen-Nachwuchs. Dies war seine erste Europa-Tournee überhaupt, das „Bad“-Album verkaufte sich ein dreiviertel Jahr nach Erscheinen noch immer ordentlich. Möglicherweise liegt es an der Dunkelheit der Tageszeit, sicher an der schieren Größe des Stadions, aber vom Publikum ist wenig zu spüren; geradezu befremdlich wirken dann die seltenen Einspielungen von Zuschauern, besonders solche, in denen erschöpfte Fans von Ordnern herausgezogen werden.

Bukarest

Bei der „Dangerous“-Ära drei Jahre später deutete sich der Abstieg Jacksons bereits an. Als er 1992 zu seiner Konzertreise aufbrach, hörte man nicht mehr ihn, sondern Nirvana, Pearl Jam, R.E.M., Metallica oder U2. Da konnte er noch so grelle Gold-Anzüge tragen.

Die Platte warf nur einen einzigen Nummer-eins-Hit ab („Black or White“). Hierzulande war sogar „We Cant’t Dance“ von Genesis erfolgreicher. Und egal, wie sehr sich die Autoren der Wikipedia-Seite Jacksons im Laufe der letzten Jahre bemühten, Jacksons zunehmende Popularität in weniger entscheidenden Musik-Märkten – Asien, Osteuropa – als Strategie einer Eroberung zu verkaufen: In den USA und West-Europa sank halt sein Stern. „Ich möchte nun die Kinder auf der ganzen Welt sehen“, gab er zu Protokoll.

Michael Jackson
Michael Jackson im Jahr 1987

90.000 Anhänger kamen ins Nationalstadion der rumänischen Hauptstadt Bukarest, da musste das Jackson-Team natürlich die Kameras hervorkramen. Es war der 1. Oktober, und es schien zu dieser Zeit noch sehr heiß in Bukarest gewesen sein, alle stehen schwitzend in T-Shirts herum.

Die „Dangerous“-Phase war auch jene, in der Jackson seinen Move der Statue etablierte. Ist ja eigentlich kein Move, denn Statuen stehen still, aber er versuchte damit sich selbst als atmendes Denkmal zu etablieren. Vor dieser Art Denkmal-Stillstand ließ er sich von unterhalb der Bühne auf die Bühne katapultieren – man nannte das den „Toaster-Effekt“. War nur ein Zauber-Trick, aber die Leute liebten es.

Seine Gitarristin Jennifer Batten trug noch immer ihre Hair-Metal-Frisur von Wembley ’88, und gerade bei dieser Tour überrascht doch die Einsicht Jacksons, vor allem dem älteren Material zu vertrauen. Nur vier von 15 Songs, also wenige Stücke aus einer eh schon schmalen Setlist, entstammten dem aktuellen Werk „Dangerous“. Der „Bad“-Titelsong wurde gleich ganz weggelassen. Siedah Garrett, Duett-Partnerin des früheren Hits „I Just Can’t Stop Loving You“, durfte nun immerhin wieder im Background-Chor mitsingen.

Lediglich drei Tourneen absolvierte Jackson in Europa, die „HIStory World Tour“ war 1996/97 der Schlusspunkt auf unserem Kontinent. Er füllte noch immer Stadien, und er ließ vor den Konzerten Ferngläser verkaufen, die die Form von Jenga-Türmen hatten. Jacksons Sets waren innerhalb dieser zehn Jahre jedoch recht ähnlich. Sie starteten meist mit „Wanna Be Startin‘ Somethin‘, vor der Zugabe gab’s den Power-Block aus „Thriller/„Billie Jean“/„Beat It“ und zur Zugabe nachdenkliche Lieder für die Kinder, wie „Heal The World“.

Am Ende dieser Show verkleidet er sich als Astronaut, schnallt sich einen Rocket-Man-Düsenantrieb um, den es zuletzt 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles zu sehen gab, und fliegt aus dem Stadion.

Die Auftritte aus London ’88 und Bukarest ’92 sind sich nicht nur wegen der Songs, sondern auch aus einem anderen Grund ähnlich. Jackson sah 1992 fast noch so aus wie 1988. Vier Jahre lang hatte er kaum an sich rumschnippeln lassen. Diese optische Stabilität durfte man bei ihm nicht einfach voraussetzen.

Michael Jackson live in Wembley:

Michael Jackson live in Bukarest:

Sony Music

„Leaving Neverland“: Paris will die Doku über ihren Vater Michael Jackson angeblich nicht sehen

„Leaving Neverland“ erschüttert die Musikwelt – in der Dokumentation wird Michael Jackson des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Radiosender boykottieren nun die Lieder des 2009 verstorbenen Sängers, seine Fans wiederum laufen Sturm gegen die im Film geäußerte Behauptung zweier Männer, im Kindesalter Opfer Jacksons geworden zu sein. Der Jackson-Clan drohte dem ausstrahlenden Sender HBO mit einer hohen Klage, und die Angehörigen bestreiten sämtliche erhobenen Vorwürfe. Wie berichtet wird, sei auch die Tochter Michael Jacksons, Paris, von der Unschuld des Vaters überzeugt. „TMZ“ will wissen, dass die 20-Jährige „Leaving Neverland“ nicht sehen will – aber ihr auch vorab nicht angeboten wurde, das Material…
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