Highlight: Alles, was man über den „König der Löwen“-Soundtrack wissen muss

Elton John Ich


Das Verblüffende an dieser Autobiografie ist, dass Elton John eine Erzählstimme hat, die nicht Texte von Bernie Taupin singt. Aber auch diese Stimme ist nicht seine, sondern die des Journalisten Alexis Petridis. In dessen effektvoller Diktion erinnert sich Reginald Dwight an das Drama eines begabten Kindes, kujoniert von seiner garstigen, jähzornigen Mutter und nicht beachtet von seinem Vater, der beim Militär arbeitet.

Die Eltern streiten immerzu, sie lassen sich scheiden. Der kleine Reg bleibt bei Mutter und Tante, entdeckt Elvis, sammelt Platten und Fußballtabellen, und er kann auf dem Klavier alles nachspielen, was er gerade gehört hat. Er verleugnet lange seine sexuelle Präferenz, bis sein Mentor Long John Baldry ihm sagt, dass er schwul sei. Reg nennt sich Elton John, spielt in Bands und bei Studio-Sessions und findet in einem Kuvert ein paar Blätter mit Songtexten – Bernie Taupin hat sie geschrieben. Sie produzieren gemeinsam Auftragslieder und werden Freunde fürs Leben.

1969 erscheint die erste Platte, auf der zweiten ist „Your Song“, Elton John wird binnen zwei Jahren ein Superstar in England und den USA, liebt seinen Manager, wird betrogen, verfällt dem Kokain, bringt mindestens eine Platte im Jahr heraus, simuliert Selbstmord, ist überkandidelt, gelangweilt und depressiv, feiert im Studio 54, wechselt die Liebhaber, kokst und kokst, kauft den Fußballverein FC Watford, heiratet eine deutsche Tontechnikerin und trennt sich von ihr, häuft Möbel, Gemälde, Porzellan und Kitsch an, befreundet sich mit Lady Diana und Gianni Versace, macht 1990 endlich einen Drogenentzug, gründet eine Stiftung für Aidskranke, verliebt sich in David Furnish, heiratet, adoptiert ein Kind, erkrankt an Prostatakrebs, geht noch einmal auf Welttournee, ist ein glücklicher Mann.

Das Leben des Elton John ist also ein Roman – und den hat Alexis Petridis funkelnd anekdotisch aufgeschrieben. In den späteren Jahren aber versiegt der bizarre erzählerische Furor, und eine vorsichtige, biedere Stimme erklingt: die eines erratischen Genies, das geliebt werden will. (Heyne)


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