Eminem

The Marshall Mathers LP 2

Universal

Furiose Reime: Der Rap-Superstar zeigt es wieder mal allen

Alles ist kaputt. Natürlich ist alles kaputt. In Detroit, Eminems Heimatstadt, sowieso – man sieht es auf dem Cover von „The Marshall Mathers LP 2“. Das Haus, in dem er aufwuchs, ist heute verfallen, die Umgebung liegt so brach wie der Großteil der Stadt. Und der berühmte Sohn? Bei dem war noch nie etwas heil, und das wird sich auch nicht mehr ändern. Ein Glück.

Der erste Teil der Marshall-Mathers-Saga war 2000 eine Sensation, es konnte nur bergab gehen. Aber bei allem Selbstmitleid und trotz aller Narkotika mit nachfolgenden Therapien: Zwischendurch hat Eminem immer wieder bewiesen, dass er es noch kann – auf jedem seiner vier Alben, und auch mit Bad Meets Evil. Insofern ist dies hier keine Überraschung, nur eine große Freude, weil keiner, und zwar wirklich: keiner, so rappt wie Eminem, ob im programmatischen „Rap God“, im poppigen „Survival“, beim putzigen „Headlights“.

Herrlich, wie er in „Rhyme Or Reason“ mal wieder sich selbst beschreibt: „A jedi in trainin’, colossal brain ’n thoughts are entertainin’/ But docile and impossible to explain/ and I’m also vain and probably find a way to complain about a Picasso paintin’.“ Em reimt solch virtuose Textkaskaden runter, dass die Schrift im Booklet etwa einen halben Millimeter klein ist, damit alles untergebracht werden kann. Man kann ihm dabei all die bitches und faggots, die assholes und fucks gar nicht übel nehmen, weil seine Wut so witzig ist – wie in „So Much Better“, in dem er detailliert erklärt, warum das Ableben seiner Schlampe sein Leben sofort erleichtern würde.

Unterbrochen wird der Berserker nur von ein paar Schüssen, Samples und hübschen Mädchengesängen – dem üblichen Aufgerüsche eben, mit dem ihn Dr. Dre und Rick Rubin perfekt in Szene setzen. Wenn Eminem zudem Frank Ocean und Drake erwähnt, Kendrick Lamar, Skylar Grey und wieder mal Rihanna zum Duett einlädt, geht es nicht nur darum, zu zeigen, dass er im Kreis der Superstars immer noch den Längsten hat, sondern auch um den Spaß am Schlagabtausch. Und letztendlich darum, durch das kreative Kräftemessen die Kunstform zu retten. Mit Eminem ist weiter zu rechnen: „As long as I’m on the clock punchin’ this timecard/ HipHop ain’t dyin’ on my watch.“

Geglaubt.