Eric Clapton & Steve Winwood: Live From Madison Square Garden (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Eric Clapton & Steve Winwood Live From Madison Square Garden


Warner 22.05.2009


von

Die beiden Musiker lernten sich kennen, als Steve Winwood 16 und Eric Clapton 18 Jahre alt war. Damals swingte London, und beide galten als Wunderknaben: der eine noch mit der Spencer Davis Group, der andere bei John Mayall’s Bluesbreakers. Als Clapton 1967 Cream gründete, war Winwood mit Traffic beschäftigt. Die gemeinsame Arbeit bei Blind Faith dauerte dann eine Platte und ein Jahr, 1969 – in Amerika wurden sie als „Supergruppe“ vermarktet, aber bald trennten sich die Wege.

Im Madison Square Garden spielten sie im letzten Jahr wieder gemeinsam, und es ist eine Freude, sie beim Gitarrenrapport von „Had To Cry Today“ zu hören, wie sie nach langen Soli zum Riff zurückfinden. Wie einem inneren Zwang folgend, kommen die Helden der Sechziger für ein paar Konzerte zusammen, bringen Auszüge aus mittlerweile unerschöpflich gewordenen Werken und artverwandte Klassiker anderer dazu, haben offenkundig nur noch Spaß, gniedeln zur Begeisterung des Publikums stundenlang durch „After Midnight“, „Cocaine“, „Presence Of The Lord“, „Georgia On My Mind“, „Voodoo Chile“, „Can’t Find My Way Home“, „Dear Mr. Fantasy“ und „Little Wing“.

Hier ist „Forever Man“, das Winwood aus Claptons Katalog auswählte, schon eine Überraschung.Natürlich ist das alles eher gekonnt als inspiriert, ein bisschen wirkt es auch wie eine Leistungsschau, und die Begleitmusiker werden kaum ins Bild gerückt. Aber der Wind der Historie weht in ihren Freizeithemden.

Wahrlich – große Erzähler sind die Künstler nicht, wie zwei separate Interviews belegen. Nie Zeit gehabt, um über ihr Schaffen nachzudenken: Drogen, Frauen, Kinder, Platten, Tourneen, Verträge, Abgabetermine. Die Milchgesichter sind marmorn geworden, wie gemeißelt, die Worte werden gewogen. Sie brachten dem weißen Mann den Blues. Sie wurden erwachsen, als man sich Fehlschläge erlauben konnte. Sie gerieten auf Abwege. Als wäre das alles nur Vorspiel gewesen für diese lässig unterspielten Auftritte im Madison Square Garden in New York, 40 Jahre später. Allerdings hätten sie auch „Arc Of A Diver“ spielen können. Ja sollen. (Warner)

Arne Willander