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Father John Misty I Love You, Honeybear

Bella Union/PIAS

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Foto: Bella Union/PIAS

„Now I’ve got a lifetime to consider all the ways/ I grow more disappointing to you as my beauty warps and fades.“ Father John Misty, der eigentlich Josh Tillman heißt, spielt den Grandseigneur der Larmoyanz, inszeniert die mit Streichquartett verzierte Ballade „Bored In The USA“ als Parodie auf das Selbstmitleid der Selbstgefälligen, die am Ende richtig böse wird, wenn er sich tatsächlich in einen dieser hemdsärmeligen Protagonisten Bruce Springsteens verwandelt (auf den er mit dem Titel natürlich anspielt) – und dessen Lamento mit Sitcom-Lachern verhöhnt.

In „Bored In The USA“ treffen Springsteen, Harry Nilsson und Randy Newman aufeinander. Auch sonst liebt Josh Tillman es auf dem zweiten Album seit seinem Fleet-Foxes-Abschied skurril, eignet sich wie Devendra Banhart mit Freak-Folk-Freizügigkeit Soul („When You’re Smiling And Astride Me“), Elektropop („True Affection“) und Countryblues („Nothing Good Ever Happens At The Goddamn Thirsty Crow“) an, lässt die Platte summen, seufzen, säuseln, aber auch scheppern und störrisch knistern.

Wie Randy Newman gefällt Tillman sich in der Rolle des Zynikers im Romantikerpelz, erzählt von Konsumterror, christlichem Fundamentalismus, von Eskapismus, von Egozentrismus. Dabei dekonstruiert er den amerikanischen Traum („Holy Shit“), aber auch sein eigenes Liebesleben. Denn letztlich ist „I Love You, Honeybear“ kunstvoller Exhibitionismus. Tillman berichtet im zarten „I Went To The Store One Day“ davon, wie er seine Frau auf einem Parkplatz kennenlernte, vertont die Hochzeit und den Honeymoon-Sex in „Chateau Lobby #4 (In C For Two Virgins)“. Es gibt in knackige Popsongs verpackte Durchhalteparolen („The Ideal Husband“) und mit Slide-Guitar geschmückte Liebeserklärungen wie den Titelsong, in dem er von fleckigen Bettlaken und vom Finanzcrash erzählt und noch einmal unwiderstehlich den zynischen Romantiker spielt: „Everything is doomed/ And nothing will be spared/ But I love you, honeybear!“

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