Fever Ray Plunge

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Geboren, um sich zu unterwerfen: Im Video zur ersten Single aus ihrem neuen Album, „Plunge“, zeigt Karen Dreijer alias Fever Ray sich als frisch zum Leben erwecktes Frankenstein-Wesen, das sich aus seinem Geburtslabor auf den Weg in die weite Welt macht. Die weite Welt ist in diesem Fall eine flotte Sexparty im Nachbarlabor. Dort lässt sich das androgyne Wesen freudig fesseln und in das mittige Loch eines Tisches einpassen.

Zunächst wird ihr hier auf die Glatze gepinkelt, dann verspachteln die anderen Orgienteilnehmer ein üppiges Mahl. „Your lips/ Warm and fuzzy/ I want to run my fingers/ Up your pussy“, bekundet die im erregend erniedrigten Körper gefangene Stimme dazu. „Plunge“ – auf Deutsch etwa „plötzliches Fallen, Abstürzen“ – handelt von einer neuen, gerade erblühenden Liebesbeziehung, in die sich die Sängerin munter stürzt. „You are my favourite pain“, heißt es in „Red Trails“, in dem blutige Kratzer und Schlieren beschwärmt werden.

Spaß und Schmerz sind auch in der Musik kein Widerspruch. Sie changiert zwischen heiterem Elektropop und originellen Störgeräuschen, und mit den Extremelektronikern Peder Mannerfelt und Paula Temple sowie der in dieser Kolumne schon ausgiebig gelobten portugiesischen Kuduro-Produzentin Nidia Minaj hat Fever Ray in ihrem Team einige der interessantesten jungen Stimmen der elektronischen Musik versammelt. (Rabid/PIAS Cooperative)

Coldplay: Geschichte einer enttäuschten Liebe

Was ist nur aus dieser Band geworden, die einmal so treffend den „Trouble“ nach der verloren gegangenen Liebe besang, sich in die Gehirnwindungen eines Wissenschaftlers vergraben konnte, das erbarmungslose Verstreichen der Lebenszeit in eine grelle Klavier-Tanz-Nummer überführte und den Titel eines ihrer kürzesten und schönsten Songs dem goldenen Mantra eines Kultbuchs für Nerds und Studenten entlieh? Ich muss zugeben, dass ich an Coldplay verzweifle. Ich kann nicht begreifen, wie es möglich sein kann, dass vier doch recht begabte Typen, die einen Haufen unsterblicher Lieder geschrieben haben, plötzlich aufgehört haben, Musik zu machen. Oder wenigstens Musik, die berühren will. Wie sensibel…
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