Flea

 „Honora“

Nonesuch/Warner (VÖ: 27.3.)

Das Solodebüt des Chili-Peppers-Bassisten – mit Jazz.

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In einem früheren Leben absolvierte Flea die Zugaben der Red Hot Chili Peppers mit nichts anderem am Leib als einer locker um den Penis gewickelten Socke. Freaky Styley war angesagt, und George Clinton sorgte als Produzent für eine Extraportion Funk im Sound der L.A.-Punks. Vierzig Jahre später liefert der Bassist ein Solodebüt ab, das man so nicht erwartet hätte. „Honora“ ist ein lupenreines Jazz-Album auf der Höhe der Zeit. Michael Peter Balzary alias Flea spielt hier nicht einfach nur Bass, sondern brilliert auch als Trompeter, eine alte Leidenschaft, die er nie groß in die Öffentlichkeit getragen hat.

Hier ist einer wirklich gut gealtert, Respekt

Und wie bei den alten Helden Miles Davis und Louis Armstrong werden neben Eigenkompositionen ein paar „Standards“ improvisatorisch zerlegt. „Maggot Brain“ von Funkadelic gerät zu einem meditativen Flow, in dem Flea Eddie Hazels Gitarrensolo einfach mal auf die Trompete überträgt. Die Besetzungsliste des Albums liest sich wie ein Who’s who des aktuellen Jazz: Jeff Parker, Anna Butterss und Josh Johnson kommen vom Chicagoer It-Label International Anthem. Nathaniel Walcott kommt von Bright Eyes,

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Mauro Refosco von David Byrne. Bemerkenswert auch die beiden prominenten Gastsänger: Nick Cave croont mit Hingabe Jimmy Webbs „Wichita Lineman“, und die Band schnurrt dazu, als wär’s ein Arrangement von Chet Baker. „Traffic Lights“ mit Thom Yorke trippelt eher ungeduldig und funky – und erinnert dabei ein bisschen an „The Way Out Of Easy“, Jeff Parkers Album mit dem ETA IVtet. Im kraftvollen, sich zu einer Bürgerrechtshymne steigernden „A Plea“ zelebriert Flea atemberaubende Bassläufe, ohne Angeberei, perfekt eingebettet ins raffinierte Spiel des vielköpfigen Ensembles. Und er rappt auch noch dazu. Hier ist einer wirklich gut gealtert, Respekt.