„Gesichter des Todes“: widerlich, aber nicht unwichtig



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Zum heiligen Quartett der in den 80er-Jahren erstellten „Video Nasties“-Liste mit den wegen Gewaltdarstellungen verbotenen Filmen gehörte neben „Cannibal Holocaust“, „Man-Eater“ und „Zombie“ auch diese (Teil-)Mockumentary mit unklarer Inhaltsherkunft: Welche der Hinrichtungen, Obduktionen, Unfälle sowie Gräueltaten an Menschen und Tieren sind echt, welche gestellt? Heute gibt es beweisführende Expertenforen, und auch Regisseur LeCilaire wurde über die Jahre hinsichtlich der Authentizität einzelner Szenen redseliger.

Damals aber musste man selbst beurteilen, ob jene in die Horror- Geschichte eingegangenen „Doku- Bilder“ echt sind: der Mann auf dem elektrischen Stuhl, dem die kochenden Augen unter dem Kopfverband auslaufen, das Ausweiden eines Sektenopfers im Ritualmord, die Tötung eines Äffchens, dessen Gehirn von begeisterten Restaurantgästen aus dem Schädel gelöffelt wird.

Es sind widerliche Szenen, die unter dem Vorwand der Kritik an zivilgesellschaftlichen Abgründen doch nur unsere Sensationslust bedienen. Mutproben sind immer albern – keiner, der „Gesichter des Todes“ damals schon nicht sehen wollte, muss das heute tun. Der Film von 1978 spielte 35 Millionen Dollar ein und zog bis 1990 drei Fortsetzungen nach sich. Es gab also etliche Menschen, die sich den Schund freiwillig reinzogen, ihre Gier wurde bedient.

„Gesichter des Todes“ ist ein perverser Vorläufer von „Upps! – Die Pannenshow“, hat jedoch einen Wert als Zeitdokument. Er offenbart die Notwendigkeit, Quellen zu hinterfragen, gerade wenn es um Material geht, das die Nachrichtensender nie zeigen würden. Heute gibt’s missglücktes Bungee-Jumping frei auf YouTube, aber Fake News und Deepfake sind schwieriger zu erkennen. Der Film erscheint uncut, ohne Jugendfreigabe. Der Verleih musste einen Kampf mit der FSK austragen, um ihn herauszubringen. Der Briefwechsel wurde auf Facebook dokumentiert (und ist kein Fake-Dokument). (DigiDreams, ab 12.5.)