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Heinz Rudolf Kunze & Verstärkung In alter Frische


Turbine 05. November 2010


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Im Vorspann grüßt Heinz und sagt die Konzerte an: mit Sonnenbrille, Zigarillo mit kalter Asche und einem Quantum von Selbstgerechtigkeit, die man als wohlig bezeichnen kann. Geschmeidig gehen ihm Phrasen wie „nicht zielführend“, „da ging noch mehr“, „hat die Platte eingetrommelt“ von den Lippen. So ist er. Erstaunlich, wie ausführlich die Musiker der Verstärkung hier zu Wort kommen: vom Anfang 1981 bis zu den bitteren Abschieden erinnern sich Joschi Kappl, Peter Miklis, Thomas Bauer und Martin Huch – und Heiner Lürig, der 1985 Mick Franke ersetzte; ein brutaler Akt, der aber zu „Dein ist mein ganzes Herz“ und also zum Massenerfolg führte.

Das vorletzte Konzert mit Franke, im März 1985 in der Hamburger Markthalle, zeigt allerdings, wie gut die erste Verstärkung war. Die Unterschiede zu dem Auftritt in der Fabrik, im Herbst 1985 nach „Dein ist mein ganzes Herz“, sind frappierend: Nun eröffnet „Ich glaub es geht los“ den Reigen – und obwohl den alten Stücken noch Platz eingeräumt wird, spürt man den Schlager-Druck von Lürigs Dudelgitarre. Das „Brille“-Konzert, 1991 im Kölner E-Werk, hält mancher aus Kunzes Umfeld für den Höhepunkt im Konzertschaffen des Dichters – doch der sagt zu Recht an anderer Stelle, dass ja mancher auch sein Debüt-Album „Reine Nervensache“ für sein bestes hält.

Mit der Videokamera hat die Band die „Brille“-Tournee 1991 begleitet – der Keyboarder Thomas Bauer gab dabei eine Mischung aus Klassenclown, Hampelmann und Hape Kerkeling mit enervierenden Dialekt-Imitationen und parodistischem Blödsinn. Doch nicht deshalb trennte sich Heinz Rudolf Kunze bald von ihm wie von Joschi Kappl und Martin Huch; Schlagzeuger Peter Miklis ging aus Solidarität. „Scheiße gelaufen“ sei das, sagt Heiner Lürig, der seinen Anteil daran hatte und der später selbst ging (und wiederkam).

Diese Beichten sind von psychologischer Relevanz – aber die vier Konzerte (und ein Auftritt, 1989 in Ost-Berlin, auf der CD) repräsentieren die besten Jahre des Heinz Rudolf Kunze. Versöhnt hat er sich mit allen Musikern. Ach, gelänge es ihm bloß auch mit den flüchtigen Teilen seines Publikums! 


Eddie Van Halen wäre fast bei Kiss gelandet

„1984“ ist vielleicht das Van-Halen-Album schlechthin – mit Klassikern wie „Jump“, „Panama“ und „Hot For Teacher“. Es wäre doch wirklich extrem schade gewesen, wenn diese Platte niemals das Licht der Welt erblickt hätte. Doch offenbar wäre es beinahe dazu gekommen, denn: Eddie Van Halen hatte einst bei Gene Simmons von Kiss angerufen und seine Dienste an der Gitarre angeboten. „Du kannst deine Band nicht verlassen“ Dies erzählte Alan Niven, Manager von Guns N'Roses, in einem Interview. So hätte es „offensichtlich eine Zeit gegeben, in der Eddie Van Halen so frustriert gewesen war – das muss um 1983 herum gewesen sein…
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