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James Ellroy Perfidia

Ullstein

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Fünf Jahre hat James Ellroy keinen Roman mehr geschrieben. Nun ist der wahrscheinlich beste Krimiautor aller Zeiten zurück. Und wie! Mit einem auf vier Bände angelegten Prequel zum legendären L.A.-Quartett. Wir erinnern uns: Mit „Die schwarte Dahlie“, „Blutschatten“, „Stadt der Teufel“ und „White Jazz“ hatte Ellroy in den Neunzigern das Noir-Genre praktisch im Alleingang neu definiert und ein gültiges Epos über das Los Angeles der Vierziger und Fünfziger geschaffen, das die ästhetische Wahrnehmung der Epoche prägt. „The Second L.A. Quartet“ wird „als großer historisch-politischer Roman“, wie Ellroy im Nachwort zur britischen Ausgabe erklärt, „das L.A. der Kriegsjahre abdecken.“

In „Perfidia“, dem Auftakt-Roman, gerät Hideo Ashida, ein junger, japanischstämmiger LAPD-Kriminaltechniker, nach dem Angriff auf Pearl Harbor in den Shitstorm, der sich über die japanische Community ergießt und zu den bekannten Internierungen und Enteignungen führt. Ellroy formt daraus ein Tausend-Seiten-Epos über das LAPD in den ersten Kriegstagen, einen Grand Guignol von Politik und Verbrechen, Gewalt und Korruption und ein paar wenigen guten Männern. Er hat Figuren aus allen L.A.-Quartett-Romanen wiederbelebt, schildert, durchleuchtet und seziert mit der ihm eigenen stakkatohaften Manie ihren Werdegang. Dudley Smith ist auch als junger Sergeant bereits skrupellos und charismatisch, wird zum Gegenspieler des späteren (und realen) Chief of Police, Captain William Parker. Vor allem aber die Frauen, Kay Lake aus der „Dahlie“ und Claire DeHaven aus „Blutschatten“, entwickeln sich von mehr oder minder im Korsett der Femme fatale gefangenen Nebenfiguren zu den heimlichen Protagonistinnen des Romans, die in wechselnden Allianzen mit und gegen Smith und Parker um Ashido oszillieren, der das Zentrum des Romans bildet und die wahre Offenbarung in Ellroys in jeder Hinsicht bemerkenswertem Roman ist. Denn Ashido ist schwul. Und nein, keine Schwuchtel wie in früheren Romanen, sondern eine in ihrer ganzen Komplexität geradezu zärtlich geschilderte Figur. Doch keine Sorge, ein liberaler Warmduscher ist der Literat James Ellroy deshalb nicht geworden. (Ullstein, 25  Euro)

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