James Yorkston The Route To The Harmonium


Domino

Dem Songwriter James Yorkston wird gern das Label „Folksänger“ aufgedrückt, auch wenn er nur selten Folksongs singt. Aber, ja, er spielt eine akustische Gitarre, er singt, er ehrt die britische Songtradition und lebt in einem kleinen schottischen Fischerdorf. Doch mit seiner Band The Athletes versuchte er sich Anfang der Nullerjahre auch an der Verschmelzung von akustischen Liedern und Krautrock, auf seinen späteren Soloalben finden sich Tracks, die an Arab Strap erinnern, und mit dem Bassisten Jon Thorne und dem Sarangi-Spieler Suhail Yusuf Khan fusionierte er zuletzt Folk, Jazz und Weltmusik.

„The Route To The Harmonium“ ist nun sein erstes Solo­album seit „The Cellardyke Recording And Wassailing Society“ von 2014. Es ist ein Alleingang im wahrsten Sinne des Wortes, denn Yorkston hat es in einer Hütte in seinem Heimatort Cellardyke fast ohne fremde Hilfe aufgenommen (koproduziert hat David Wrench). Es ist aber nicht die erwartbare akustische Einsiedlerplatte, auch wenn der erste Song, das verhuschte „Your Beauty Could Not Save You“, durchaus in die Richtung zu gehen scheint, aber wenn man genauer hinhört, ist es eine zirpende (Gitarre), tröpfelnde (Klavier), wehende (Flöte), schaukelnde (Akkordeon), tutende (Klarinette), trötende (gestopfte Trompete), brummende (Cello) und flirrende (alles zusammen) Flüstersinfonie. So eine Art Talk Talk im schottischen Pub zur Geisterstunde.

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Das Schicksal hat wieder zugeschlagen im Leben des Sängers, und er singt den toten Freunden hinterher. In den schönsten Liedern, wie „The Blue Of The Thistle“ und „The Villages I Have Known My En­tire Life“, lässt die Erinnerung ein Lichtlein flackern. In den aufwühlenden, wie dem hoffnungslosen „Oh Me, Oh My“ und den grimmigen Sprechstücken „My Mouth Ain’t No Bi­ble“ und „Yorkston Athletic“ sieht man die Hand nicht vor Augen: „Well, it’s funny, my mind just cracked, but unlike Lenny Cohen, no light got in, just dark.“ „The Route To The Harmonium“ ist wie die See vor Yorkstons Haustür, kräuselt sich trügerisch friedvoll, um dann mächtig aufzubrausen, magisch angezogen vom hellen Mond am finsteren Himmel.

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