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Jeffrey Lewis & Los Bolts Manhattan


Rough Trade/Beggars

Wir sind draußen. Auf der Straße. Stimmen, Sirenen, Hupen, quietschende Reifen. Und mittendrin Jeffrey Lewis, der einst mit Adam Green und Kimya Dawson das erfand, was man Antifolk nennt. Er erzählt vom „Scowling Crackhead Ian“, der ihm schon zu Schulzeiten das Leben schwer machte und der sich immer noch – genau wie Lewis selbst – in der Gegend rund um die 2nd Avenue im New Yorker East Village rumtreibt („We lived our poor lives in close parallel/ Within these four or five blocks we both know so well“), oder vom „Sad Screaming Old Man“ im Haus nebenan.

Ein Journalist, der wissen will, was Antifolk ist („Avenue A, Shanghai, Hollywood“), kommt ebenso vor wie eine Taube, die sich nicht zurück auf die Delancey Street scheuchen lässt („The Pigeon“). Und die Stadt zu verlassen ist nie eine gute Idee. In „Support Tours“ singt Lewis darüber, wie schlimm es ist, die Vorband mimen zu müssen, und im knuffigen Liebeslied „Outta Town“ verrät er, wie schrecklich die Stadt ist, wenn man von der Freundin zurückgelassen wurde, weil die ihre Mutter besuchen musste.

Es sind kleine Szenen, Anekdoten, Beobachtungen, Skurrilitäten, die Jeffrey Lewis auf „Manhattan“ mit Heather Wagner und Caitlin Gray (und etwas Unterstützung von Turner Cody) in sperrig-schönen Lo‑Fi-Nummern versammelt. Als New-York-Chronist erkundet er vor allem die Lower East Side, orientiert er sich weniger an Woody Allen als an Jonathan Lethem oder Paul Auster. Und immer wieder nähert er sich in lakonischem Tonfall Lou Reeds „New York“ aus dem Jahr 1989, am meisten im schlurfenden Stadtspaziergang „Back To Manhattan“: Während er bei Sonnenuntergang die Brooklyn Bridge überquert, denkt er über die Traurigkeit nach, die sich in seiner Beziehung breitgemacht hat, und verrät, dass er bald Schluss machen wird. „The air is so romantic/ But the big graffiti says, ,Suck Dick‘ “, protokolliert er und kommt zu der Einsicht: „And most of the pople look boring in Manhattan/ I guess I’ll go home now.“


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Eine amateurhafte Aufnahm des frühen „I Feel It In My Heart“ (1976) zeigt die allerliebste Tina Weymouth mit gescheitelter Kurzfrisur an ihrer großen Bassgitarre, die sie ja bediente wie kein anderer Mensch - sie gab stets das Muster für das Bassgitarrespielen überhaupt. Der nervöse David Byrne singt dieses zarte, verzweifelte Lied über jemanden, der gern Freude an seiner Arbeit hätte und der Familie ein Sonnenschein wäre. Er müßte es halt nur noch entschiedener versuchen, glaubt er. https://www.youtube.com/watch?v=ewY34GqbRkA Damit war der Ton vorgegeben, der die Studien in Soziopathie auf „77“ (★★★★★) bestimmt. Zum trockenen Groove besingt Byrne die Nöte und Wonnen…
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