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John Southworth Small Town Water Tower

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Das Doppelalbum „Niagara“ war die musikalische Sensation des Jahres 2014. Auch wir hatten den kanadischen Songmagier zuvor nicht auf dem Radar – und müssen uns dafür an die eigenen erröteten Kritikernasen fassen. Seit 1998 veröffentlicht Southworth regelmäßig fabelhafte Alben zwischen Brill-Building-Pop, Off-Broadway, Folk, Country, Glam, mystischen Tanzspelunkenklängen und verschlungenem Vaudeville. Er schreibe an seiner eigenen nordamerikanischen Erzählung, teilte er uns mit. Diesmal verschlägt es ihn ins kleine Städtchen Apollo im Bundes­staat Pennsylvania, durch das ein Fluss mit dem kryptischen Namen Kiskiminetas fließt. Wobei Southworth eher seiner inneren Geografie folgt, die tatsächlichen Orte dienen ihm meist nur als Folie für seine Zeitreisen.

Es beginnt mit drei unglaublichen Meisterstücken: In „Blue ­Sleeves“ wechseln sich ätherischer Synth-Pop und wuchtiger Artrock ab – David Bowie, Mercury Rev und Wilco scheinen nah. „Ain’t Got Time“ bremst das Tempo zugunsten trügerischer Harmonie. „Shadows fall from every side/ I cannot see your face/ My heart is caged in phantom/ I can’t see past the gate“, singt Southworth zur Schummer­orgel.

Dancefloor-Bastard mit Unterwasserpiano

„Champion Of Love“ triumphiert mit einer Melodie, zu der man tanzen möchte – und flicht nebenbei ELO-Streicher, ein kleines Klavierpräludium und Arctic-Monkeys-Riffs ein. „Lucid Love“ ist ein Fiebertraum, wie ein Score von Angelo Badalamenti. In „­Make No Mistake“ schlafwandelt South­worth durch die Tonarten hin zu einem überwältigenden Chorus, der sich die Drums aus Kate Bushs „Hounds Of Love“ borgt. „Sapphire Spirit“ beginnt als spaciger Schwof im Stil von Serge Gainsbourg oder Leonard Cohen und wächst sich zu einem Dancefloor-Bastard mit Unter­wasserpiano aus.

Mit diesen funkelnden, rätselhaf­ten, überwältigenden, von Raum und Zeit losgelösten Stücken reiht sich Southworth endgültig unter die besten nordamerikanischen Songschreiber ein. (Tin Angel)

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