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Jon Auer – Songs From The Year Of Our Demise


Solodebüt des Posies-Manns voller Midtempo-Melancholie

Als Jon Auer flüsternd den „Cemetery Song“ einzählt, stutzt man schon ein wenig. Schließlich hat er diese Nummer wie die meisten seiner „Songs From The Year Of Our Demise“ ganz allein im Studio eingespielt. Wem wollte er da den Einsatz vorgeben? Sich selbst? Oder vielleicht diesem Du, das er auf dem Album immerfort besingt?

Mal heißt das Du Angelita, mal Josephine, mal erzählt er diesem Du von vorüberziehenden Wolken, rankenden Weinreben oder dem Abnehmen des Monds. Und immer wieder stellt sich heraus, dass dieses Du, an das sich der sensible Ich-Erzähler Jon Auer in seinem Solodebüt wendet, tot ist. „There’s no wondering where you are now/ You’re so far now that you can’t get any further away“, singt er in dem großzügig Harmonien auftuenden „Cemetery Song“ zur akustischen Gitarre. Und bis er schließlich in der Walzer-Elegie „The Year Of Our Demise“ mit einer Liebeserklärung endgültig von diesem Du Abschied nimmt, treibt sich das Album, an dem Auer über fünf Jahre gearbeitet hat, immer wieder auf dem Friedhof herum. Etwa in dem wacker an Gräbern vorbei stapfenden „Six Feet Under“, bei dem der Mann aus Seattle ein Totenglöckchen läutet, von einer niedlichen Klaviermelodie an die Hand genommen wird und verspricht, sich zu melden, wenn er selbst unter der Erde ist. Oder in dem morbiden Rock-Epos „My Sweet Unknown“: „Together you and I/We could watch each other die/ And be happy/ Truely happy.“

Seine Geschichten von Trennung und Tod unterlegt Auer mit einer empfindsamen Musik, die Details liebt, die Intimität sucht, sich nie aufdrängt – und die sich eigentlich nie allzu weit von dem Powerpop entfernt, den er sonst bei den Posies mit Ken Stringfellow macht. Zwar trifft man auf dem Album immer wieder auf wunderschöne Melodien und großartiges Songwriting, etwa beim „Song Noir“, bei „Wicked World“ oder bei „You Used to Drive Me Around“, zu dem David Einmo – einer der wenigen house guests, die Auer zu den Aufnahmen eingeladen hat – ein trotziges Mellotron-Thema beisteuern darf. Doch stets klingt Auer so, als ob die „Songs From The Year Of Our Demise“ unter Baldrian-Einfluss entstanden wären. Auch wenn in „Josephine“ die Gitarren mal einen etwas bösartigeren Tonfall anschlagen und „Sundown“ sich tänzerisch gibt, so erhöht sich doch nie der Pulsschlag, nie versucht das Album, aus der Midtempo-Melancholie auszubrechen. Immer bleibt Auer beunruhigend ruhig.


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HÄRTER ALS DER REST: Heavy Metal ist Außenseitermusik und Mainstream zugleich. Er wird gern belächelt. Und wie kaum ein anderes Genre leidenschaftlich geliebt. Denn Metal stiftet Identität – und hilft beim Überleben in der Provinz. Natürlich darf man heute zugeben, dass man Heavy Metal liebt. Am bes­ten nennt man schnell noch eine angesagte Band wie Baroness oder behauptet, Slayers „Reign In Blood“ damals1 rauf- und runtergehört zu haben. Wer es noch einfacher haben will, zieht sich auf den klassischen Hardrock zurück, weil sich auf Led  Zeppelin ja alle einigen können und selbst R.E.M. mal Aerosmith gecovert haben. Da geht die…
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