Kritik: „X“ – jedes Klischee wird bedient



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Die Produktionsfirma A24 steht für Horror-Filme mit unvorhersehbaren, fantastischen Entwicklungen wie „Hereditary“, „Saint Maud“ oder „Under The Skin“. „X“ droht den Lauf zu stoppen: ein Slasher-Streifen, in dem jeder Mord samt Methode sich lange vorher ankündigt, ein Final- Girl-Movie, an deren Schluss das falsche Final Girl überlebt – kein Spin, sondern ein Erzählfehler. A24 und Regisseur West aber meinen es ernst, dies ist keine Satire auf eine althergebrachte Dramaturgie.

Eine Pornofilm-Crew mietet im Jahr 1979 eine texanische Farm, deren Besitzer, ein geriatrisches, strenggläubiges Ehepaar, neidvoll auf die Rudelbumser blickt und zu den Messern greift. Hillbillys also bestrafen säftelnde Sexfilmer, die von der Idee schwärmen, Pornos bald per Betamax zu verbreiten. Der Gedanke sexueller, alle Haushalte durchdringender Befriedigung war ein Motiv des Splatter-Films der Siebziger, siehe „Halloween“, in dem ein psychopathisches Familienmitglied Einwände gegen die Libertinage in den eigenen vier Wänden erhebt.

Eine Eins-zu-eins-Hommage an dieses über 40 Jahre alte Kino aber hat keinen Sinn. „X“ feiert die Spannungsbögen jener Ära humorlos ab. Vor der Ankunft auf der Farm landet die Filmtruppe an einer dreckigen Tanke und wird beäugt, das ist Eskalationsstufe eins Richtung Unheil; auf der Farm wandert der Blick zunächst zum Fenster ganz oben, dort sitzt die Mumien-Oma hinterm Vorhang; niemals durch ein Guckloch schauen, sonst rast ein Messer von der anderen Seite ins Auge; wenn in Minute 15 ein Krokodil im See zu sehen ist, sollte in Minute 90 besser niemand auf den Steg gehen.

„X“ be- handelt die Emanzipation der Jugend von prüden Eltern, und der Vorwurf, prüde zu sein, fällt selbst innerhalb der Porno-Crew. Prüde Figuren können ja auch unterhaltsam sein. Hinterwäldlerische Großeltern aber, die in den Siebzigern keinen Bezug zum Sex-Kino haben könnten und deshalb als blutige Sittenwächter instrumentalisiert werden, sind es nicht


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