Lee „Scratch“ Perry & Mouse On Mars

„Spatial, No Problem.“

DOMINO (VÖ: 05.06.2009)

Der Geist von Lee Perry kehrt ein letztes Mal zurück

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Der vor fünf Jahren verstorbene Produzent und Musiker Rainford Hugh Perry, genannt Scratch, ist nach Bob Marley so ziemlich die legendärste Type, die der Reggae hervorgebracht hat. In seinen Black Ark Studios in Kingston hat Perry den Dub (mit) erfunden und allerlei schamanistische Kunst produziert, aber vor allem der Welt gigantische Reggae-Klassiker geschenkt: „Heart Of The Congos“, „Super Ape“ oder „War Ina Babylon“. Am Ende seines Aufenthalts auf unserem Planeten tauchte Scratch geradezu inflationär an Orten und auf Tonträgern auf, wo man ihn wirklich nicht vermutet hätte. Und nicht alles war gut.

Doch „Spatial, No Problem.“ – angeblich das letzte, wirklich allerletzte Album aus dem Nachlass – ist zu hundert Prozent gelungen. Vielleicht weil alle Beteiligten gar nicht erst versucht haben, sich im klischeetriefenden, basswarmen Reggae-Skank zu wiegen. Mouse On Mars sind ja eher für kühl konzipierte Elektronik bekannt, hier spielen sie mit Beats, Sounds und Genres wie Kinder auf einem Bolzplatz. „Rockcurry“ etwa reitet auf einem zickigen Dance-Rhythmus heran, der schwer nach den B-52’s klingt. „State Of Emergency“ ist eine epische Hymne mit großem Chor.

Und Perry tut auf Albumlänge das, was auch Mark E. Smith unter dem Projektnamen Von Südenfed mit Jan St. Werner und Andi Toma dargeboten hat: Er murmelt, sprechsingt und raunt in schönster dadaistischer Sprachakrobatik. „Spatialee“ klingt dagegen wie äthiopischer Wüstenjazz-Voodoo, wegen der melancholischen Melodie und der involvierten Bläser. „Fire Dali“ setzt eher auf hypnotisch komplexe Krautrock-Beats. Stattgefunden hat die Session mit Perry bereits 2019, im Berliner Studio von Mouse On Mars, doch der Feinschliff dauerte. Es hat sich gelohnt.