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Lou Reed The RCA & Arista Album Collection

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Lou Reed hat das Lakonische in die Rockmusik eingeführt. Der Rock’n’Roll war bei Reed niemals eine jugendliche, eine schwärmerische Angelegenheit, sondern eine grimmige, eine brutale, eine Sache des Überlebens. In einem Song hatte er früh alles gesagt: „Rock & Roll“. Die paar Songs, die jeder kennt, sind auf einer einzigen Platte, „Trans­former“ von 1972, und zwei davon sind untypisch sentimental: „­Perfect Day“ und „Satellite Of Love“. „Transformer“ war Reeds androgyne Phase, sie endete schnell. Lou Reed war kein Eklektiker; er führte für sein Schreiben stets nur Delmore Schwartz als Lehrer an, und das stimmte wahrscheinlich sogar.

Reeds Lieder handeln von Rauschgiften, Obsessionen, den Perversionen und Ekstasen der Liebe, von Abhängigkeit, Einsamkeit und den Schrecken der Großstadt; er ging immer dorthin, wo es wehtut. Als er 1975 sehr unzufrieden mit seiner Plattenfirma und seiner Karriere war, nahm er „Metal Machine Music“ auf, „An Electronic Instrumental Composition“, eine Platte voll Gitarrenlärm – auf dem Cover sieht er aus wie ein Bombenleger, kurzhaarig, blondiert, mit Sonnenbrille und Nieten an der Jacke. Reed nahm zu viele Platten auf und spielte in den späteren Jahren allzu gern Gitarre, und statt Songs gelangen ihm nur noch dröhnende Mäander. Irgendwann um 2007 beschloss er, dass „Berlin“ von 1973 ein verkanntes Meisterwerk sei, und die Welt fand das dann auch, und er führte das Album wie in der Philharmonie auf, mit Kinderchor und Filmprojektion. Das Beste an „Berlin“ ist, dass es nicht von Berlin handelt und Reed noch nie dort gewesen war, als er die Songs schrieb.

Die berückendste Rockmusik

Weil er nach den 70er-Jahren immer noch da war, verständigte man sich darauf, dass sein Spätwerk begonnen hatte und er hin und wieder überraschend respektable Platten machte. Überraschenderweise waren es nacheinander „The Blue Mask“, „Legendary Hearts“, „New Sensations“ und „Mistrial“, lauter tolle Platten, die in den 80er-­Jahren natürlich niemand hören wollte. Er war etwas über 40 und wurde in Besprechungen „Onkel Lou“ genannt. Er war notorisch schlecht gelaunt. Jeder liebte es, von ihm geschurigelt zu werden. Erst 1989 kam der Moment, da Lou Reeds Größe noch einmal erkannt wurde: „New York“ war sein letztes Meisterwerk. Die letzte der 16 Platten in dieser Box ist „Mistrial“ von 1986.

Es ist die berückendste Rockmusik der Welt darunter.

Pappschatullen, aber hey. (Sony)

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