Marillion Misplaced Childhood


PLG/Warner


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Die Idee für ein Konzeptalbum über die Tragödie und die Unschuld der Kindheit flog Marillion-Kopf Fish angeblich während eines mehrstündigen Acid-Trips zu. Weil die bis heute erfolgreichste Platte der Band aufgrund des selbst gewählten Themas auch zwangsläufig zu einer reichlich intimen Angelegenheit werden musste, bemühte sich der Sänger anders als bei den Vorgängeralben „Script For A Jester’s Tear“ und „Fugazi“ um weitaus weniger kryptische Texte. Die kompositorische Verspieltheit früherer Lieder wich zudem einer konzentrierten Gitarrenarbeit, deren Klang Steven Wilson für diese Edition gewohnt gründlich bearbeitet hat.

Genrefetischisten werden einwenden, dass Marillion mit ihrem dritten Studioalbum ganz bewusst die ausgetretenen Pfade des Progressive Rock zugunsten von wehmütig-nostalgischen Stücken („Heart Of Lothian“) oder von sentimentalen Melodien („Lavender“) verließen. Mit der entzückend kitschigen ­Liebesunglücks-Hymne „Kayleigh“ gelang den Briten zudem das, was sie nach eigenem Anspruch eigentlich eher vermeiden wollten: Hatte das Label die Band zuvor noch wegen Erfolglosigkeit aus dem Vertrag entlassen wollen, standen plötzlich wöchentliche Auftritte bei „Top Of The Pops“ an. Gehässige und süße Ironie des Kunstindustrie-­Schicksals, denn „Misplaced Childhood“ sollte eigentlich als ein musikalisches Narrativ funktionieren, in dem die Tracks organisch ineinander übergehen und sich thematisch gegenseitig in den Arm nehmen. So geschmeidig wie zwischen dem atmosphärisch-verquasten Eröffnungs­stück, „Pseudo Silk Kimono“, und „Kayleigh“ gelang das allerdings selten.

Aufgenommen und produziert wurde das Album in den Westberliner Hansa Studios. In der Mauerstadt gelangten die Musiker zu der Einsicht, dass der gewollte Komplexitätsverzicht auch ein künstlerischer Gewinn sein kann. Eine bisher größtenteils unveröffentlichte Aufnahme eines Konzerts in Utrecht, das der Deluxe-Edition beigefügt ist, demonstriert, dass Marillion dies auch auf der Bühne ­beherzigten.


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