Marina And The Diamonds Froot

Warner

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Foto: Warner

Electra Heart ist tot. Aber nicht nur das: Zeitgleich  mit ebenjener Protagonistin scheint auch das zweite, gleichnamige Werk von Marina Diamandis aus ihrer Diskografie eliminiert worden zu sein. „Froot“ schließt nämlich direkt dort an, wo „The Family Jewels“, das furiose Debüt der Halbwaliserin und -griechin von 2010, aufhörte. War besagtes Konzeptalbum zu komplex, zu ambitioniert, zu sehr Perücke, zu sehr Schokoladenkuchen und rührte gleich eine Armada von Produzenten mit Kochmützen im Teig herum, so tragen die zwölf neuen Songs allesamt wieder das Diamandis-Echtheitssiegel.

„I found what I’d been looking for in myself“, konstatiert die 29-Jährige im wegweisenden „Happy“, einer hinreißenden Ballade mit mehrschichtigen Gesangsspuren, durch die Marina einem Bat-For-Lashes-artigen Gerüst jede Menge Glamour verleiht. Zeigte sich Bat-Sängerin Natasha Khan zuletzt auf dem Cover von „The Haunted Man“ nackt und in Schwarz-Weiß, so bemüht sich Marina, ihre Stücke bunt zu kolorieren, und trägt dabei – gefühlt, liebe Tierschützer! – einen Pelz. Bat-For-Lashes-Mentor David Kosten war auch der Einzige, auf dessen Rat unsere Primadonna diesmal im Studio hören wollte. Seiner Vermittlung verdankt sie die Scot-Funk-Gitarre von Everything-Everything-Mitglied Alex Robertshaw im Titeltrack.

Details und Ideen wie diese existieren auf „Froot“ zuhauf, das Album ist voller Kinkerlitzchen wie „Super Mario“-Bleeps, von spacigen Indie-Pop-Sounds, von Bezügen auf Disco und Motown, auf die 70er- und 80er-Jahre. Doch alles fließt, alles befindet sich am rechten Platz. Für Breitwand-Popsongs wirken Marinas musikalische Kunstwerke ungewöhnlich strukturiert und entfalten sich oft erst spät in einer Wall of Sound. Beachten Sie bitte auch die Bridge!

Wie bereits „The Family Jewels“ lebt „Froot“ von Marinas unvergleichlichem Galopp durch die Tonarten – eben noch kieksend, jetzt schon wieder in der Rolle des Brummbären. Kate Bush meets Shirley Manson und Brody Dalle. In dieser Form ist Marina Diamandis der größte ernst zu nehmende weibliche Popstar des Universums (unter 30).

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