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Metallica Kill Em All

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Es fühlt sich immer noch merkwürdig an, wenn man Subkultur „vitriniert“, wie die Schweizer ­sagen, und damit auch noch des letzten Rests ihrer widerständigen Aura beraubt. Genau das geschieht in diesen weihevollen, fast schon großkotzig splendiden Boxsets. Sie widmen „Kill ’Em All“ und „Ride The Lightning“, den beiden Gründungsdokumenten des Thrash Metal, eine veritable Gedächtnisausstellung mit vielen bekannten und auch nicht so bekannten Fotos, Interviews, Erinnerungsessays ehemaliger Mitstreiter, Plakaten, privaten Briefen, faksimilierten Lyrics-Manuskripten, Picture-Discs, Rough Mixes – und nicht zuletzt unzähligen Live-Mitschnitten (auch als DVD), die beweisen, was für eine fulminant energetische, brennend ehrgeizige und technisch gewiefte Abrisstruppe die Band von Anfang an war. Und welch atemberaubenden Bassisten sie in Cliff Burton hatte.
Wirklich viel Neues gibt es hier nicht zu sehen und zu hören, aber die gebündelte Material(über)fülle ist beeindruckend. Beide Boxsets zeigen bei aller Glorifizierung nicht nur ein konturenscharfes Bild der Band, sondern auch eines ihrer Zeit.

Dokumentarisch relevant sind die vielen Fanzine-Kritiken, die für dieses Musealisierungsprojekt auch die Legitimation liefern. Die genreerweiternde bzw. -diversifizierende Qualität von „Kill ’Em All“ wurde nämlich von der noch jungen Szene sofort erkannt und auf allen Kanälen mit erlesen grobianischen Super­lativen gewürdigt. Es erschien letztlich keine schlechte Kritik zu diesem Album, es fehlten nur vorerst die Worte, um beschreiben zu können, was hier passierte: eine Hybridisierung des kalifornischen Hardcore mit der New Wave of British Heavy Metal, um dem gattungs­typischen Überbietungspostulat einmal mehr Genüge zu leisten.

Schon mit „Ride The Lightning“ begann die Veredelung dieses Konzepts. Ein Song wie „Fade To Black“ nahm im Prinzip das „Schwarze Album“ vorweg. Er wies den Weg, wie sich mit ein paar Melodie­linien für die Ewigkeit selbst so ein betont rüder und konsensferner Underground-Act kommerziell verwerten ließ. Wer die Vinyls (180 Gramm) mit den Roadrunner-Originalen von 1983 und 1984 vergleicht, wird sich an einem behutsamen Remastering erfreuen. Die Neupressungen sind nur unwesentlich lauter. Bei „Kill ’Em All“ hat man die peitschenden Höhen etwas moderiert, dafür gibt es mehr Pfund in den unteren Mitten. Die Produktion ist jetzt dem ­Nachfolger, „Ride The Lightning“, etwas näher, das wiederum remastert in den Mitten runder, weniger knöchern klingt. Aber wir sprechen hier letztlich nur über Nuancen.

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