Modeselektor Monkeytown


Monkeytown


von

Ja, das ist eine Technoplatte, aber nein, es ist keine Geheimwissenschaft, sondern eine ausgesprochen öffentliche. Gernot Bronsert und Sebastian Szary aus Berlin, die sich Modeselektor nennen, sind zwar Maschinenmusiker, aber sie praktizieren ihre Kunst am liebsten vor Publikum, haben seit der Gründung 1995 gar nicht so viel veröffentlicht und vor allem live gespielt.

Besonders Elektrokünstler haben ja den Ruf, auf der Reinheit von Genres wie Minimal oder Dubstep zu bestehen, hermetisch, eremitisch – aber es gibt keinen grandioseren Gegenbeweis als dieses neue, dritte Modeselektor-Album, das eine ungeheure Lebenstüchtigkeit und Weltläufigkeit ausstrahlt. Das natürlich all die mitgehörten Fetzen und nächtlichen Sessions in sich trägt, auf dem aber jedes Stück seine perfekt individuelle Farbe bekommen hat, vom windschiefen Yoga-Chill von „Blue Clouds“ über den bösartigen Zwitscher-Wumm-Techno von „Evil Twin“ und den sphärischen Dancehall „Grillwalker“ (der Ode an die wandelnden Würstchenbrater Berlins). Bis zu den Gastsänger-Stücken, den Höhepunkten: Radiohead-Sänger Thom Yorke, als Hausfreund schon öfter dabei, erinnert mit zwei Songs herrlich an sein Soloalbum, Miss Platnum singt einen großartigen Görlitzer-Park-Soul. Und beim zittrigen, stotternden Rap-Track mit dem New Yorker Anti-Pop Consortium müsste dann klar werden, was die Kunst dieses Duos ist: Flow und Zickzack, das Runde und das Eckige zusammenzubringen. Das hat weniger mit Intelligenz zu tun und mehr mit unbezahlbarem Feeling.

Beste Songs: „Shipwreck“, „Humanized-Instrumental“