Nuggets

Womit ließe sich in diesen grauen, klammen Zeiten besser des schönen Sommers gedenken als mit Surf-Klängen? Für die richtige Strand-Betriebstemperatur sorgen z. B. THE SILENCERS. Das Trio aus Detroit läßt auf seinem gleichnamigen Album (Total Energy NER 3011) aus jedem der 12 Titel den großen Dick Dale grüßen und einen auch den allerkleinsten Anflug von November-Blues vergessen.

Derart eingestimmt geht’s nun ins Land des Lächelns. Denn was die Compilation „Surf In Germany“ (Bear Family (BCD 16211) zu bieten hat, besitzt hohen Unterhaltungswert. Da versucht sich etwa Liedermacher Stefan Sulke unterm Pseudonym Steff an der „Little Honda“ (Hondells), die Crazy Girls erreichen mit ihrer Adaption von „Walk Don’t Run“ (Ventures) Stärke 10 auf der nach oben offenen Schrill-Faktor-Skala, und die Mama Betty’s Band zeigt, wie man aus „Fun, Fun, Fun“ (Beach Boys) „Eine Reise nach New York“ macht. Doch wie man’s (vor allem gesanglich) perfekt macht, das beweisen hier die Beach Boys mit „Ganz allein“, im Original als „In My Room“ bekannt. Schade nur, daß man kaum ein Wort von ihrem Deutsch versteht.

So richtig exotisch und skurril aber wird’s mit dem Sampler „Surfbeat Behind The lron Curtain“ (Archive Intl Prod. AIPCD1057). Zwar stammt das Gros der Acts aus ehemaligen Ostblock-Ländern, doch daß die Macher dieser Compilation auch die BRD, Holland, England, Italien und Japan hinter dem Eisernen wähnten, verwundert seht; sind diese seit 1945 doch so friedlichen Länder hier ebenfalls mit Surf-Acts vertreten. Aber von den geographischen Ausrutschern (oder dem Etikettenschwindel?) mal abgesehen, herrscht hier musikalisch ein recht hoher Wellengang. Zwar können die pohlischen, tschechischen und ostdeutschen Gitarren ihr „Selbstgeschnitztsein“ kaum verleugnen, doch dieses klangliche Manko machen ihre Besitzer mit um so mehr Enthusiasmus allemal wett.

Das, was THE HOLD OUTS auf ihrem Debüt „Moon over Bolinas“(Taxim TX 2033-2 TA) spielen, nennen sie „psychedelic surfabilly“. Und wem das partout nichts sagt, der male sich ein Fusion-Ensemble, bestehend aus Duane Eddie sowie Beau Brummeis- und Man Or Astroman-Musikern, aus. Kurzum: psychedelischer West-Coast-Pop paart sich – twang – nahtlos mit Rockabilly- und Surf-Klängen. Und die Authentizität, die man den bis dato genannten Combos nicht attestieren kann, ist bei diesem Trio (inzwischen zum Quartett angewachsen) garantiert und Gütesiegel: The Hold Outs sind aus San Francisco. Folglich fühlt man sich den großen Vorbildern natürlich verpflichtet und vergißt bei aller Gitarren-Euphorie das Songwriting nicht. Resultat: Hooks und Riffs, die von Handwerk der Spitzenklasse zeugen.

Noch ist England nicht verloren, denn die Insel, die man in einem inzestuösen Brit-Pop-Delirium wähnte, beherbergt doch noch ein paar Musiker, die Heads, Hands And Feet oder Brinsley Schwarz nicht für die neusten Dance-Acts halten. Paradebeispiel THE GOOD SONS, die mit ihrem zweiten Album „Wines, Lines And Valentines“ (Glitterhouse GRCD 427) auf den Pfaden von The Band bis Wilco wandern, ergo einen gänzlich unbritischen, entspannten Country-Rock spielen. Schwelgende Gitarren, jubilierende Stimmen und Lieder, die das Leben schrieb.

„Homegrown“ (Roadrunner RR 8830-2) heißt das vierte Album des Trios BLUE MOUNTAIN. Und eine Seelenverwandtschaft zu 16 Horsepower läßt sich bei den Boys aus Oxferd/Mississippi, nie leugnen, denn wie 16 H.s Eugene Edwards ist auch Blue Mountains Cary Hudson ein Besessener. Zu düsteren Szenarien wie „Generic America“ oder „Dead End Street“ spielt sich der Mann auf allem, was Saiten hat, in einen wahren Folk-, Country- und Blue Grass-Rausch.

Zu beziehen sind die Alben in der Regel bei: Chill Music, Scheeren 12,28865 Lilienthal, Timm Records, Am Dobben 3, 27330 Asendorf, Glitterhouse, Grüner Weg 25,37688 Beverungen und D. C. Schallplatten, BOMP Mailorder, Marienplatzl8,96050 Bamberg

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