Oh Land Oh Land


Sony


von

„Ich denke oft, einen Eindruck gewonnen zu haben, es könne ebensogut das Gegenteil wahr sein“, schreibt der Schweizer Schriftsteller Paul Nizon in seinem Roman „Das Jahr der Liebe“. Ist Nanna Øland Fabricius, die sich hinter dem Pseudonym Oh Land versteckt (oder eben nicht versteckt!), nun ein Sensibelchen? Oder eine richtige Rampensau? Die Dänin scheint eine ganz besondere Pendlerin zwischen den Extremen zu sein. Eröffnen doch Streicher ihr erstes Album außerhalb der Heimat zunächst auf sehr schmeichlerische Weise – bevor dann „We Will Rock You“-artige synthetische Handclaps das Trommelfell erschüttern. „Meine Musik soll wie eine Mischung aus 2050 und etwas sehr Klassischem sein“, so die Tochter einer Opernsängerin selbst. Da passt das eine nicht zum anderen, da beginnen die Stücke schon einmal mit Techno-Hämmern oder Erasure-Pluckern und enden im Trip-Hop-Sumpf.

Je nach Stimmung erinnert Nannas Stimme an Cerys Matthews, Björk oder Beth Gibbons, ohne so elegisch, verspielt oder düster wie die Originale zu klingen, und mit den kommerzielleren Elektropop-Stücken nähert sich die 26-Jährige Little Boots und La Roux an. In diesem Wirrwarr der Gegensätze liegt jedoch der besondere Reiz von Oh Land, er unterscheidet sie von allen Zeitgenossinnen auf angenehme Weise. Für den Mut zum Danebengreifen gibt’s Extrapunkte! „Sorry, but you’re never gonna dance again“, zitiert Nanna in „Break The Chain“ ihren Arzt, der ihrer Ballerina-Karriere ein Ende setzte, um dann anzufügen: „But my feet just keep me movin‘.“