Podcast: Freiwillige Filmkontrolle


Mehr Infos

Paterson von Jim Jarmusch Ein Film wie ein Gedicht


Die Filme von Jim Jarmusch hatten nie eine Handlung, waren immer Fotografien, die sich (manchmal) bewegten und Fremde zeigten, die sich in ihrem coolen Wissen in Bezug auf Musik und Literatur eingerichtet hatten, weil ihnen das Außen­seitersein ein gutes Zuhause war. Auch „Paterson“ ist so ein Film. Man sieht einen stoischen, gutmütigen Mann, der Paterson heißt, Gedichte nach Art des Imagismus schreibt und als Busfahrer in Paterson/New Jersey arbeitet. Natürlich ist dieser Film eine Hommage an den großen Dichter William Carlos Williams und sein fünfbändiges Epos „Paterson“, das von einem Mann handelt und von einer Stadt.

Jarmusch begleitet seinen Paterson (Adam Driver) eine Woche lang von Montag bis Montag, zeigt ihn bei den immer gleichen Routinen. Er wacht um kurz vor halb sieben neben seiner Freundin, Laura (Golshif­teh Farahani), auf, geht zur Arbeit, schreibt auf dem Fahrersitz noch kurz an einem Gedicht, wird von einem Kollegen begrüßt, der ihm sein Leid klagt, lauscht amüsiert den Gesprächen seiner Fahrgäste, macht an den Wasserfällen von Paterson Mittagspause, kehrt heim, rückt den leicht schief stehenden Briefkasten zurecht, wird von Laura begrüßt, die die gemeinsame Wohnung mit neuen schwarz-weißen Mustern verziert hat, ihn drängt, endlich eine Kopie des geheimen Notizbuchs mit seinen Gedichten anzufertigen, und beim Shopping­kanal eine schwarz-weiße Gitarre und eine Übungs-DVD von Estaban bestellt hat, weil sie Country­sängerin werden will.

Ein Film wie ein Gedicht

Er geht mit dem Mops raus, der Marvin heißt (natürlich nach Lee Marvin), leint ihn vor der Bar an, trinkt Bier und unterhält sich mit dem Wirt und kehrt heim. Am Ende der Arbeitswoche wird diese Routine plötzlich durchbrochen, der Bus bleibt wegen eines technischen Defektes liegen, Unheil kündigt sich an.

Anzeige

Man muss diesen Film tatsächlich wie ein Gedicht lesen, den (Doppelgänger- und Schatten-)Motiven, den Mustern, Rhythmen und Anspielungen aufmerksam folgen, denn der ­Inhalt dieses Films ist zugleich seine Form, und umgekehrt. Jarmusch in Vollendung.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Tipp: Only Lovers Left Alive :: Regie: Jim Jarmusch

Halt auf freier Strecke :: Regie: Andreas Dresen


ÄHNLICHE ARTIKEL

Gewinnen: Tickets für „Paterson“ + „Jim Jarmusch – The Complete Collection“

Wir verlosen Kinokarten für „Paterson“, den neuen Film von Jim Jarmusch. Zusätzlich gibt es noch alle seine Filme auf DVD oder Blu-ray zu gewinnen.

'Only Lovers Left Alive': erste Clips zu Jim Jarmuschs neuem Vampir-Rock 'n'Roll-Film

Das Vampirgenre kann man nicht einfach Kristen Stewart überlassen: Nach dem nihilistischen "The Limits of Control" präsentiert Regisseur Jim Jarmusch ("Dead Man", "Broken Flowers") sein neues Werk "Only Lovers Left Alive" in Cannes. Musiker und blutsaugende Nachtgestalt Tom Hiddleston liebt dabei Tilda Swinton.

Anzeige

MagentaTV erleben: Digitales Fernsehen mit Internet- und Telefon-Flat zum Aktionspreis

Digital-TV mit Internet- und Telefon-Flat: Zeitversetzt fernsehen auf 100 Sendern/20 HD, Zugriff auf Streaming-Dienste, Serien & Filme in der Megathek

Jetzt Bestellen

Der beste Schlagzeuger aller Zeiten: John Bonham von Led Zeppelin

Direkt mit dem ersten Song auf Led Zeppelins allererster LP veränderte John Bonham das klassische Rockschlagzeug für immer. Noch Jahre später amüsierte sich Jimmy Page darüber, wie der Song „Good Times Bad Times“ und dessen atemberaubenden Bass-Drumm-Einsatz für Verwirrung bei den Zuhörern sorgte: „Alle waren sich sicher, dass Bonzo zwei Bass-Drums benutzt, während er in Wirklichkeit nur eines hatte.“ Dieses Darbieten, so gewichtig, so lebendig, so virtuos und bedacht, legte den Grundstein für Bonhams finessenreiche Karriere bis zu seinem viel zu frühen Tod 1980. https://www.youtube.com/watch?v=CqqksUbXTm0 „Ich habe Jahre, wirklich Jahre, damit verbracht, in meinem Kinderzimmer ständig Bonhams Schlagzeugspielen zuzuhören und…
Weiterlesen
Zur Startseite