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Patti Scialfa – 23rd Street Lullaby Nach elf Jahren endlich wieder ein Solowerk der E Street-Sängerin


Das Vorurteil ist so bekannt wie unumgänglich: Von Background-Sängerinnen – gerade, wenn Sie mit dem Künstler verheiratet sind – erwartet man nicht viel. Patti Scialfa spielt bei der E Street Band eine kleine, meist unscheinbare Rolle, und so mancher erklärt sich ihr Dabeisein mit dem Wunsch der Eheleute, während langer Tourneen nicht getrennt leben zu müssen.

Dass das nicht die ganze Wahrheit ist, das hat die ‚first lady of lore‘ vor langer Zeit schon einmal unter Beweis stellen können: Das erste (und bislang letzte) Soloalbum, „Rumble Doll“ von 1993, präsentierte eine wenn schon nicht phänomenale, dann doch in jedem Fall potente Songschreiberin, die keine Familienbande für einen Plattenvertrag braucht.

Für ihr neues Album, sagt Patti Scialfa, habe sie nach Songs gesucht, die ihr eine gute Sicht auf die eigene Vergangenheit ermöglichen, einen Abgleich von einst avisierten Zielen und dem tatsächlichen Status quo. Und tatsächlich ist vieles auf „23rd Street Luilaby“ erfüllt von Rückblick und nachdenklicher Melancholie, von der traurigen Unerbittlichkeit des Lebens und der Unplanbarkeit seiner Umstände – Themen freilich, die auch den Gatten immer wieder umtreiben.

Musikalisch bleibt „23rd Street Lullaby“ auf bekanntem Terrain. Easy Soul, leise fließender Singer/Songwriter-Twang, eine Spur Modernität – Produzent Steve Jordan legt einen dezenten Teppich, auf dem Cellistin Jane Scarpatoni und Gitarrist Marc Ribot mit sphärischem Beiwerk das Instrumentale mit dem sinnlich-nasalen Vortrag Scialfas verbinden.

Besonders schön gelingt das bei „Yesterday’s Child“, das auch gut auf das letzte Album von Emmylou Harris gepasst hätte: Scialfa singt in schlafwandelnder Kulisse ein Lied von Abschied und Neuanfang, die Gitarren zittern erhebend, und in der Mitte fliegt das ganze Lied in einem wunderbaren Moment davon. Demnächst im Programm der E Street Band? Warum nicht.


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